Archiv

„Wir haben unsere Website umgestellt“ …. ja, das Internet ist ein dynamisches Medium. Einmal eingepflegte Links funktionieren oft nicht mehr. Da heißt es suchen und neu verlinken. Darf ich sagen, dass diese langweilige Arbeit durch das Wiederlesen eigener Texte verschönert wird? 😉

Aber jetzt heißt es erst einmal, neue Beiträge zu verfassen. Dann kommt die Archivpflege wieder an die Reihe. Bitte Nachsicht, wenn nicht alles auf Klick funkioniert.

Wochenendspiegel: Gute Wünsche zum Neustart

Wenn ich so die Branchenmagazine lese, Print-Krise überall, da erschien es mir wie eine Randnotiz, als ich im Juli vom Aus des Wochenspiegel erfahren hatte. Schade, aber unausweichlich. Doch heute morgen bekam ich eine Mail mit einer Frage, die sich auf einen Artikel im „Wochenendspiegel“ bezog.

Was ist das denn, hat der Schreiber sich vertippt? Aber den Wochenspiegel gibt es doch nicht mehr?

Ich habe kurz im Netz gesucht, aber nichts gefunden. (Das war eine Stunde, bevor Kollege Starowy im Flurfunk darüber geschrieben hatte.) Also beim Rausgehen auf den Treppenstufen geguckt, und wirklich: Da liegen zwei Zeitungen mit dem Titel vor der Tür. Die Ähnlichkeit mit dem Wochenspiegel ist unverkennbar. Passt zu dem Projekt, dass nichts im Netz veröffentlicht wird, bevor nicht alle 85.510 Exemplare aus der Berliner Druckerei verteilt sind.

Unter dem Titel „Rauschen im Blätterwald“ lese ich: …“dass sich eine engagierte Gruppe ehemaliger Wochenspiegel-Mitarbeiter zusammen geschlossen hat, um zu beweisen, dass auch in einer sich wandelnden Medienlandschaft Platz für eine zweite Wochenzeitung ist – neben den derzeitigen Möchtegernmonopolisten ….“ kein Seitenhieb, schon ein Schlag auf die Freie Presse, zu welcher auch das Anzeigenblatt Blick gehört.

Richtig befreiend, solche kritischen Töne. Auch dass der offizielle Grund für das Aus, der Mindestlohn für Zusteller, „fadenscheinig“ genannt wird, weil der Mindestlohn erst in voller Höhe ab 2017 gelte.

Also Hut ab! Diesen Mut zu haben, das ist wirklich frischer Wind im Chemnitzer Blätterwald. Da schließe ich mich den guten Wünschen zum Neustart gern an. Das wichtigste ist die Medienvielfalt.

Aber auch dieses „wir lassen uns nicht unterkriegen, wir machen es ganz anders“ fasziniert mich.  Zum Beispiel dass man auch über den Geschäftsführer Olaf Haubold praktisch nichts im Netz findet. Ein Detail entdecke ich auf der Seite seiner Agentur: die haben mit dieser sehr guten Broschüre über ein vor dem Zusammenbruch gerettes Waldlokal zu tun. Die Broschüre habe ich vor fünf Jahren gekauft und freue mich seitdem, wie das Lokal floriert. Das ist doch schon ein gutes Omen für den Wochenendspiegel!

 

 

 

Die Läden im Tietz und anderswo

Ich will hier mit Datum einen „Ich habe es ja gesagt“-Beitrag verfassen. Nein, wirklich nicht aus Besserwisserei, sondern weil die Lage mich bekümmert und sie beschreiben besser ist als nichts.

Es geht um unsere Geschäftsstraßen. Vielleicht wird man einmal gar nicht mehr wissen, was das Wort heute noch bedeutet. So wie jemand vor einigen Jahren bei der Datenautobahn ins Schleudern geriet. Die Nachfolgerin bemerkte immerhin, dass da das Neuland liegt.

Ich lebe in einem Gründerzeitviertel. Warum sind hier überall leere Schaufenster? Das weiß man heute schon nicht mehr: Wie das Einkaufen für die dichte Bevölkerung ohne Kühlschrank und Auto sich zur Zeit des Baus der Häuser gestaltete. Mit einem Verhältnis von Warenpreis und Kaufmannslohn, wo Bedienung selbstverständlich war. Also viele kleine Läden einst, Einkaufszentren, Supermärkte, Großeinkauf in den Kofferraum heute.

Und da mein Viertel diese Entwicklung von der DDR-Zeit bis heute im Turbotempo erlebte und auch viele Wohnungen leerstehen, haben sich außer Versicherungen, Beauty-Shops und einigen anderen Dienstleistern kaum Nachnutzer gefunden. Gut, es gibt noch wenige Bäcker, einen Blumenladen, Fleischer, Büroartikel und Zeitungsladen, Optiker, Hörgeräte, Arbeitskleidung und -schuhe, eine Postagentur, Imbisse … . Ein paar Kreative, die nähen oder töpfern, haben Raum gemietet, vorrangig als Werkstatt / Büro mit angeschlossenem Laden. In einen neu nachgefolgten Fotoladen mit Digitalkamerareinigung gehe ich, wenn ich irgend etwas aus dem Spektrum brauche. Und für alles mit PC in den PC-Laden mit Werkstatt.  Wenn der Toner alle ist, in den „Tinten-Toner-Tankstation“, und wenn ich Korn brauche, in den veganen Laden mit Imbiss. Aber reicht meine Nachfrage, dass der Laden brummt?

Ja, hier im Stadtteil ist es schwierig, heißt es dann, die Randlage, die Kaufkraft nicht so hoch. Aber jetzt wurden auch aus der Innenstadt erneut Sorgen von Händlern laut. Im Tietz, dem Kulturkaufhaus, entstand in einem top sanierten 100-jährigen Warenhaus eine Mischung von Läden und der Ausstellung des versteinerten Waldes als städtischer Attraktion im Erdgeschoss und Museen, Stadtbibliothek und Volkshochschule in den oberen Etagen.

Ein Informationstresen verkaufte Karten, nein, nicht der Tresen, Menschen verkauften und informierten. Wunderbar, nur hat die GGG, die ehemalige städtische Gebäudewirtschaft, Mieten, welche den städtischen Institutionen auf die Dauer den Lebensatem kappen, weil sie die Zuschüsse immer stärker aufzehren. Der Tresen ist seit einem halben Jahr geschlossen, die Laufkundschaft nimmt ab. Die Geschäftsleute haben nun einen Brief geschrieben, beklagen Umsatzrückgang, aber die GGG will ihnen bei der Miete nicht entgegenkommen. Selbst wenn sie die Schaufenster leer stehenden Läden nutzen wollen, müssen sie bezahlen.

Und ich sage: Bald wird man diejenigen bezahlen müssen, welche mit ihrem direkten Einzelhandelsengagement die Innenstadt beleben.

Denn natürlich liegt der Umsatzrückgang nicht nur am geschlossenen Museumstresen. Wir haben sowieso sehr viel Verkaufsfläche pro Kopf. Wenn ein neuer Lebensmittelmarkt eröffnet, dann hat er so viele Nonfood-Zusatzangebote, ständig oder durch die Sonderangebotsschleife, dass der Bedarf an Waren für alle Lebenslagen fast gedeckt ist. Und ganz banal: Die Menschen werden älter, irgendwann haben sie die Dinge schon. Klar kann man fleißig neue Mode kaufen und die alte in eine der hübsch bunten Container werfen, nötig wäre es nicht. Was sind noch Wünsche zu Weihnachten? Immer ausgefeiltere Elektronik macht wohl den Hauptteil des Eingewickelten unterm Baum aus.

Tja, und dann passiert das, was der Hauptgeschäftsführer des Handelsverband Deutschland Stefan Gentz vor zwei Jahren in einem Interview sagte: „Derselbe Kunde, der eine schöne Innenstadt haben will, der ins Theater, ins Museum, ins Café geht, der gerne einkauft und der sich auch sonntags mit Freunden dort trifft, sitzt abends oder am Wochenende auf dem Sofa und bestellt das, was er früher in der Innenstadt gekauft hat.“ Die Steigerungsraten des Onlinehandels sprechen für sich.

Das Interview wurde für eine Broschüre des Bundesministeriums geführt, das sowohl für Bau wie für Verkehr und Stadtentwicklung zuständig ist. Das baut die Straßen zu den Zentren auf der grünen Wiese… . Eine sehr gute Broschüre über einen Wettbewerb „Engagement des Einzelhandels für attrative Stadtzentren“. Die inhabergeführten Geschäfte, vor allem in der eigenen Immobilie, welche nicht einfach umziehen können, engagieren sich am meisten. Weil ich solche Leute hier in meinem Viertel kenne, wie sie jeden Tag von früh bis spät im Laden stehen und in der knappen Freizeit noch für’s Gemeinwohl aktiv sind, haben mich die Beispiele besonders bewegt.

Wirklich gute Erkenntnisse und Tipps in dem Heft. Aber es ändert nichts an der Zukunftsaussicht: Bald wird man die Belebung von Straßen mit Geschäften subventionieren müssen, wenn man sie will. Ist der Vergleich mit der Haushaltsabgabe für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ganz schief? Egal ob man in der City einkauft, man muss zahlen dafür, dass sie da ist.

Den Onlinehandel „muss der stationäre Handel als Herausforderung begreifen“, sagt Herr Gentz gleich im nächsten Satz und tue dies auch, viele nutzten schon das Internet als zusätzlichen Vertriebsweg. Daraufhin sagt der zweite Interviewpartner, Ulrich Hatzfeldt aus dem Ministerium etwas von Rationalisierungspotentialen, wobei andere Vertriebsformen größere Chancen als der stationäre Handel hätten. Im Klartext: Warum soll ich im Onlineshop des kleinen Einzelhändlers bestellen, wenn andere Quellen nur einen Klick weiter und vermutlich billiger sind?

Das Interview dreht sich dann noch ein paar Takte in Zukunftsvisionen weiter, ohne die bittere Wahrheit auszusprechen. Ja, wenn es nur noch Elektroautos gibt und laute Straßen dann nicht mehr laut sind, vielleicht … .

Wenn nicht genügend Leute in ihrer schönen Innenstadt einkaufen, obwohl sie die Besorgungen billiger und bequemer machen können, dann gibt es die „Geschäftsstraße“ nicht mehr. Auf die Dauer müssten zum Beispiel alle Ämter und Dienststellen mit Bürgerverkehr in die Erdgeschosse ziehen.

Doch jetzt hoffe ich, dass der GGG beigebracht wird, die Ladenmieten zu senken, damit dieser Prozess sich noch etwas hinzieht. Der Schaden durch leere Schaufenster ist nicht wettzumachen.

Und wie ging die Wahl aus?

„Guten Morgen Frau Weyandt,
es geht manchmal sehr ungerecht zu – vermisse Sie sehr in der grünen Fraktion im Stadtrat.
Wahrscheinlich war es äußerst knapp….. Leider ist somit der Sonnenberg ziemlich unter repräsentiert, zumindest qualitativ …“

Ist das nicht eine nette Mail heute von einem, dessen Stimme ich mir gar nicht sicher war? Den ich eher im Sympathisantenkreis einer anderen Partei vermuten konnte?

Warum bin ich nicht drin? Die Einzelergebnisse erfahren wir erst später, wer auf der Liste wie viele Stimmen bekomen hat. Aber fest steht: Wir haben im Wahlkreis Sonnenberg, Hilbersdorf, Ebersdorf, Euba trotz stärkerer Konkurrenz als 2009 etwas dazu gewonnen.
Im gesamten Stadtgebiet haben wir 0,3 % gewonnen, und das reichte zur freudigen Überraschung am späten Abend für den 5. Sitz. Von der Personenzahl haben wir also ein Plus von 25 %!
Da aber von der absoluten Stimmenzahl her der ländlicher geprägte Wahlkreis eines anderen Kandidaten vorne lag, bekommt er den Platz und nicht ich. Damit bin ich trotzdem sehr zufrieden. Denn er kandidierte schon im zweiten Anlauf und hat, seit ich ihn kenne, eine super Arbeit gemacht. Und zwar auch in meinem Stadtteil, in dem er sein zweites Standbein hat. Wir werden also  gut zusammenarbeiten.
Der Wahlkampf hat insgesamt viel Freude gemacht: Themen aufgreifen, mit Leuten reden, Kontakte knüpfen, argumentieren und Verständnis wecken. Mit sehr guter Resonanz haben wir eine Gästetour mit Asylbewerbern als Pilotprojekt durchgeführt – als ein Baustein auf dem Weg zu dem dringend notwendigen gastfreundlicheren Umgang mit den Asylbewerbern in meinem Wahlkreis. Wir waren ein gutes Team auf meiner Liste und mit anderen Unterstützern. Das werden wir sicher als Stadtteilgruppe fortsetzen. Ich bleibe ‚dran.

 

Politik für die Pflege

Gestern war Tag der Pflege. Erstens sowieso am 12. Mai, zweitens speziell als Aktionstag „meiner“ Diakonie. Was liegt näher, als dass ich mich auch einmal von Seiten der Politik für das Thema einsetze? Schließlich hat Chemnitz einen beträchtlichen Altersdurchschnitt, auch wenn wiederum der Stadtteil Sonnenberg der jüngste ist.

In unseren Zielen für den Wahlkreis, die wir in einem extra Faltblatt veröffentlicht haben und zur Zeit in die Briefkästen tragen, steht es drin: „Für ein Leben im Alter im vertrauten Wohnumfeld vorsorgen („Generationenfreundliches Quartier“)“. Der Begriff „generationenfreundlich“ gefiel meinen Mitstreitern spontan gut.

Sehr gut, dass an vielen Orten „Rettungspakete“ mit Unterschriften für Politiker zusammengestellt und übergeben wurden. In Chemnitz ist das allerdings mit einer Einladung an Bundestagsabgeordnete erst später geplant.

Ich werde das auf jeden Fall verfolgen, so oder so. Denn auch wenn sich der Tag dem klassischen Pflegethema widmete, die kommunale Seite verlangt zunehmend Beachtung. Über eine Website der Bertelsmann-Stiftung kann man sich übrgens die Planungsdaten einfach anzeiegn lassen: http://www.wegweiser-kommune.de/datenprognosen/pflegeprognose/Pflegeprognose.action

Ich kandidiere

„Liebe Katharina,

schade, aber verständlich. Wäre nett gewesen, dich mal wieder zu sehen. Alles Gute für deine politischen Aktivitäten und viel Erfolg
Wünscht dir ….

 

Icon_Gruene

So eine nette Mail, als ich mich für einen beruflichen Termin entschuldigt habe, mit dem Hinweis, dass ich für die Stadtratswahlen kandidiere!

Es ist Zeit, hier in meinem Blog Grün aufscheinen zu lassen. Bis zum 25. Mai arbeite ich daran, möglichst viele Menschen in meinem Wahlkreis „an die Urnen“ zu bringen und ihre drei Kreuzchen auf der grünen Liste zu machen.

Ich schwanke ja immer zwischen dem Beobachten und Schreiben und dem eigenen Engagement. Die Zeit als Sonnenberg-Redakteurin hat mich motiviert, auch vom Stadtrat aus etwas für meinen Stadtteil zu tun. Und für die anderen Stadtteile Ebersdorf, Hilbersdorf und Euba. Und natürlich stellt sich für alle aktiven Grünen die Frage der Kandidatur, nicht umsonst haben wir eine Liste von 65 Personen für die acht Wahlkreise zusammen gestellt. Auch viele Parteilose haben sich erfreulicherweise bereit erklärt.

Also kandidiere ich jetzt. Diese Seite wird nicht zur Wahlkampfseite. Dazu werden wir www.gruene-chemnitz.de aufrüsten, welche ich sowieso mit pflege. Und über meine Facebook-Account werde ich mein aktuelles Thema Nr. 1 traktieren. Über Twitter sowieso.

Letztlich ist es eine „teilnehmende Beobachtung“, wie sich so ein Wahlkampf aus der Betroffenenperspektive anfühlt. Ein dickes Plus ist unsere Wahlkreis-Liste und das Unterstützerteam. Spannend wird es allemal, denn bei den anderen Kandidierenden ist auch viel Potential. Man kennt sich gut. Wie treten wir gegeneinander an?

 

 

 

Das Buch

BuchtitelJetzt will ich den Abschluss einer Langzeit-Aufgabe anzeigen: das Buch ist erschienen, an dem ich beteiligt bin. Etwas ganz Schönes, was nur durch den Wechsel in Wohnort und Aufgabenportfolio möglich war.

Ich kenne Irene aus meiner Gemeinde. Sie hatte mich gefragt, ob ich ihr helfen könnte, als sie bei einem Frauenfrühstück aus ihrem Leben erzählt hatte und wieder hörte:“Das musst du aufschreiben!“

Ich habe mir die CD von ihrem Bericht angehört, wir haben uns getroffen, und ich war fasziniert von den vielen interessanten Aspekten in ihrem bisherigen Leben:

Die gebürtige Münchnerin Irene ist ein Kind der Nachkriegszeit. Nach ihrer Glaubensentscheidung erkämpft sie sich von den Eltern die Berufsausbildung als Krankenschwester. Danach stehen ihr alle Türen offen. Sie entscheidet sich für ein neuartiges Behandlungszentrum für MS-Kranke, das eine spontan durch Gebet geheilte Frau aus dem Ruhrgebiet zusammen mit der bayerischen Inneren Mission aufbaut. Nach wenigen Berufsjahren wird sie hier Pflegedienstleiterin. Sie lernt ihren Mann kennen, der dort seinen Zivildienst ableistet, und geht zwischendurch für ein halbes Jahr auf eine Missionsstation in Brasilien.

1975 wird dem Paar ein behinderter Sohn mit Down-Syndrom und Epilepsie geboren, der bis heute bei den Eltern lebt. Von der Entbindung an kämpft Irene Günther gegen die Abwertung behinderter Menschen, für die Wahrnehmung des Reichtums, den ihr Sohn mitbringt. Als Mutter von drei Kindern und Pflegekindern entwickelt sie erfolgreich die ersten Vollwertkochkurse. Sie sind aktiv in einer Freikirche – bis sie diese in einer Krise verlassen müssen. Mit anderen bauen sie eine neue Gemeinde auf. Die unterstützt sie auch, als sie 1992 Beruf und Wohnung kündigen, auf die Jüngerschaftsschule von Jugend mit einer Mission gehen und dann in die neuen Bundesländer, nach Sachsen, wo sie mit anderen ein Familienschulungszentrum aufbauen.

BuchkartonMit den Töchtern und dem behinderten Sohn leben sie nun in einer fremden Welt, ohne festes Einkommen und erleben viele Wunder. Dann wird der Sohn kränker, die Pflege zusammen mit aller Arbeitslast führt bei den Eltern zum Burnout. Sie finden hier in Chemnitz eine neue Aufgabe. Aus den seelsorgerlichen Gesprächen im Wohnzimmer wird eine professionelle Beratungsarbeit, für die Irene die IGNIS-Ausbildung machen kann.

Irene hat viel erlebt, und sie kann es beschreiben. Sie sieht die lustige Seite und ist ehrlich bei Fehlschlägen.
Im Grunde hat sie das Buch verfasst, ich habe es nur auf den Weg gebracht. Die Themensammlung, den Verlag  überzeugen, den Text überarbeiten, den Hauptkontakt zur Lektorin, das waren meine Aufgaben.

Jetzt werbe ich noch etwas dafür. Irene lässt sich einladen zu Vorträgen und Frauenfrühstücken in Gemeinden, so weit es ihre Zeit zulässt. Und ich bin gespannt, wie es mit der Familie weiter geht.

 

Neues zu: Wer findet das Huhn?

Es tut sich was: Die Guten Botschafter sind aus dem Weihnachtsurlaub zurück und suchen mit. https://www.facebook.com/gutebotschafter

Sie haben ein Bild geschickt, wie es aussieht: Huhn

Wer findet das Huhn?

Kennt Ihr das? Da will man zu Weihnachten etwas basteln. Letztes Jahr hatte ich schon einen Blogbeitrag „Weihnachten ist Kommunikation“ gebastelt, statt Karten und Geschenke.

plakat_bananeWas sollte es dies Jahr sein? Die Idee greift auf meine Vergangenheit zurück. „Brot für die Welt“ kennt fast jeder. Zu meinen Öffentlichkeits- und Pressesprecherinnenaufgaben gehörte auch, alle Jahre wieder unsere evangelische Spendenaktion möglichst breit in die Hamburger Öffentlichkeitsarbeit zu bringen. Gemeinsam mit den kreativen KollegInnen machte das viel Freude.

plakat_neue_landnahmeGestöhnt habe ich bzw. haben wir aber über die allgemeinen Bilder und Slogans in Kirchensprache – am liebsten davon gleich mehrere. Wenn jedes Jahr am 1. Advent eine neue Aktion eröffnet wurde, gut, aber wenn dabei der Wiedererkennungseffekt auf der Strecke blieb und kein Mensch verstand und behalten konnte, was nun die eine Kampagne von der anderen unterschied … . Dass „Brot für die Welt“ nicht mit traurigen Patenkindern warb, sondern auch politische Inhalte transportieren wollte, das verteidigten wir ja gern. Und dass man nicht für zehn Säcke Reis spenden konnte, sondern für komplexe Projekte. Aber die Vermittlung hätten wir gern einfacher, markanter gestaltet. Das konnten wir als einer von über 20 Landesverbänden der Diakonie nur eingeschränkt beeinflussen.

Und dann tauchte eine neue Agentur auf, die mit ihren Entwürfen sowohl die Insider in der Zentrale von „Brot“ wie auch die Außenwelt überzeugte. Ich kannte sie noch als „Buttgereit und Heidenreich“. Kurz vor meinem Wechsel nach Hamburg in der Phase „Was mach‘ ich denn jetzt mal Neues?“ hatte ich sie kontaktiert, weil ich mitbekommen hatte, dass da kreative, unkonventionelle Christen etwas gegründet haben. Sie haben mich eingeladen, wir haben uns darüber unterhalten, wie wichtig gute Konzepte sind, dass der Kunde oft mit etwas ganz anderem zufrieden ist, als er es sich vorher vorgestellt hatte. Ich war nicht wirklich auf Stellensuche in Haltern am See und sie nicht wirklich auf Personalsuche, es war ein Kennenlernen. Und seitdem verfolgte ich froh, was da an Gutem in die Welt gesetzt wurde. Die Auszeichnungen für die Plakate sprechen für sich und auch die Menge an kostenlosen Plakatwänden, welche „Brot für die Welt“ dadurch bekommen hat.

bfdw_wenige_ist_leerr„Weniger ist leer“ zum Beispiel, was die Agentur als Beispiel für „Positionierungsdesign“ beschreibt. Genau! sage ich,  das war die Aufgabe: „Wie kann das Anliegen der Aktion „Brot für die Welt“ auf allgemeinen Anschlagflächen so dargestellt werden, dass Aufmerksamkeit erzeugt wird, Spenden generiert werden und gleichzeitig langfristig auf das Markenkonto dieser weit über kirchliche Kreise hinaus bekannten Marke eingezahlt wird?“ Langfristig! Markenkonto!

Dies Jahr war ich extra am 1. Advent bei der landesweiten Eröffnung der 55. Aktion, diesmal in Chemnitz. Ich verlinke den meines Wissens einzigen Artikel darüber und muss schmunzeln: das abgebildete Plakat mit der Stolle ist sächsisch. Wenn es so eine gute Idee wie den „Stollenpfennig“ gibt, dann verdrängt die als Bildmotiv das offizielle Plakat. Und ich finde das durchaus berechtigt.

Das neue Kampagnenthema „Land zum Leben – Grund zur Hoffnung“ kam im Gottesdienst zur Sprache und tauchte auf Plakaten im Stadtbild auf. Um es konkret zu sagen, der Slogan ist eher Kirchensprache: es geht um Landraub, dass Bauern verdrängt werden, weil bfdw_aktionsplakat_2014irgendwelche Investoren den Grund gekauft haben, den sie bebauen. Deutlich gesagt: „Brot für die Welt“ können die Bauern selbst anbauen, wenn sie juristisch-politisch unterstützt werden. Und dafür sollen wir spenden. Wow, ziemlich weit weg von Aktionen, bei denen Kinder ihr Spielzeug, was langweilig geworden ist, für arme Kinder in ein Paket packen.*

Besonders begeisterte mich das Huhn, der „gemeine europäischen Zugvogel“. Da haben die Guten Botschafter versucht, den Zusammenhang, wie unsere Massengeflügelhaltung und die Bevorzugung von Brust, Keulen und eventuell noch Fügeln („Chicken wings“) dafür sorgen, dass der Rest des Tieres exportiert wird und in Afrika den Markt kaputt macht, in ein Plakat zu packen. Was ich in einem Bandwurmsatz quetsche, ist ein Hingucker auf City-light-Flächen.

Ich wollte mit diesem Bild meinen Beitrag anfangen und dann nur erzählen, wie toll das heute bei „Brot für die Welt“ ist. Und dadurch dem Thema weiter zur Verbreitung helfen, denn dieser ästhetische Teller mit Reis wird vielleicht doch lieber plakatiert als ein nacktes Hähnchen.

Doch wie das beim Basteln ist, wenn man nicht rechtzeitig alles Material besorgt hat: Das Bild findet sich nirgendwo im Netz. Die Pressesprecherin von „Brot für die Welt“ hat mir am Freitag Nachmittag zwar Links zu den anderen guten Motiven besorgt, aber nirgendwo ist die ganze neue Kampagne zu sehen. Die helfen könnten, sind im wohlverdienten Weihnachtsurlaub.

Wir basteln das Geschenk gemeinsam

Also, was ich basteln wollte, wird nicht fertig, was tun? Dann schenke ich einen Gutschein! Oder schenke, dass wir es gemeinsam fertig basteln. Zum Beispiel, indem wir überall nach dem Plakat Ausschau halten und es selbst fotografieren und posten oder schicken. Mal sehen, wie schnell das geht.

Zweite Alternative zum Gebastelten ist das Geldgeschenk. Das geht nicht immer, aber hier auf jeden Fall. (Merkt Ihr: das sächsische Konto. Es sollen schon norddeutsche Besserwisserinnen gesagt haben, ein zentrales Konto tue es doch auch, aber das war gestern … . Bei Spenden bis 200 Euro reicht der Kontoausszug für die Spendenquittung, wenn man es im Verwendungszweck vermerkt, keine Quittung und Post zu wollen, halten die sich dran.)

Und als kleinen Geschenkanhänger noch dieser Link, der mir neulich ein weiteres Mal Gefühl von Fortschritt gab: Bettina Gaus schrieb in der taz nach dem Taifun, dass man ohne Zweckbindung spenden solle, und am besten an Organisationen, die Soforthilfe mit langfristiger Aufbauhilfe verbinden. Wenn sich das Wissen verbreitet, dann ist viel geholfen.

Ich wünsche allen frohe und gesegnete Weihnachten!

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* Anmerkung: Pädagogisch ist das wichtig, dass Kinder abgeben lernen. Und natürlich freuen sich Kinder überall über Geschenkpäckchen. Das kann auch mal von Leuten stammen, die man nicht ganz so persönlich kennt. ABER es ist viel besser, wenn ihre Eltern oder andere Bezugspersonen in die Lage versetzt werden, ihnen etwas nach ihrer eigenen Tradition und ihren Bedürfnissen zu schenken. Spendet für Projekte, die Arbeit schaffen, und für Kindergärten und Schulen! Sonst lernen die Empfänger der Päckchen nur falsche Dinge über das reiche Deutschland. Man fühlt sich vielleicht generöser, wenn man etwas einpackt, als wenn man eine Summe überweist. Doch da gilt für mich der Satz des Apostels Paulus „Was hast du, was du nicht empfangen hast?“ Dass ich habe und abgeben kann, kommt von Gott, es gehört mir nicht.

 

„Betrug und Korruption in der Pflege“

Betrug und Koruption in der Pflege – heute sind die News-Einträge voll davon. Die Geschichte ist aus den Nachrichten der letzten Tage schnell verknüpft: Der Pflege-TÜV wird verschärft, und das System der Pflege ist von betrügerischen Geschäftemachern durchsetzt. „Schlimm, wer räumt da auf?“

Ich behaupte, es gibt keinen  Bereich in der Berichterstattung, der gleichermaßen in der Falle zwischen Unkenntnis, Betroffenheit und Business steckt. Da mögen die Genforscher und -bekämpfer, das Militär und die Pazifisten, dagegen halten.

Unkenntnis: Wer weiß, wie der Pflege-TÜV entwickelt wurde, auf welchen fachlichen Standards er aufsetzte? Das wissen viele Fachleute, immerhin. Wie viele gute Noten aber echt sind und wie viele durch Betonung der Doku und die entsprechende zielgerichtete Fortbildung der letzten Jahre entstanden, weiß niemand. Und fragt kaum jemand. Sinnvolle evidenzbasierte Systeme wie Wingenfeld-Engels kennen Journalisten nicht – mit Ausnahmen – 😉 . Einige trommeln zwar dafür, aber wenn die Bundesregierung eine Studie bezahlt und sie dann in der Versenkung verschwinden lässt, was dann?

Betroffenheit: Es geht uns alle an, wir werden alle älter, jeder in der Redaktion hat irgendwo seine eigene Angst oder mindestens die um Angehörige: was mache ich, wenn meine Mutter auch noch pflegebedüftig wird? Nicht zuletzt gibt es den SPIEGEL-Bestseller „Mutter, wann stirbst du endlich?“ Kriege sind weit weg, Gensoja kommt mir nicht auf den Teller (meine ich zumindest …), aber alt werde ich, wenn ich nicht jung sterbe. Das ist das Einfallstor für das reißerische Aufblähen, unter dem die Pflege so leidet und versucht, sich zu wehren.

Business: Ich sage selbst, meine Themen sind Pflege und Gesundheitswirtschaft. Klar ist es ein Business. Aber da müssen wir genau hingucken. Die Lebensqualität, die Beziehungen, die lebensnotwendige Zuwendung bis zum Schluss ist kein Business. Aber wieviel Zeit jemand hat, um diese Zuwendung praktisch werden zu lassen, hat viel mit Geld zu tun. Und seit im Neoliberalismus der Gedanke aufkam, dass der Markt die beste Steuerung sei, müssen die Pflegeeinrichtungen auf’s Geld gucken. Irgendjemand muss es bezahlen. Und am Ende sind es oft genug die Pflegekräfte selbst, die nicht auf die Uhr schauen. Schlimm, dass da Geschäftemacher, die aus diesem Business, weil es privatwirtschaftlich ist, den Profit rausziehen können, ihr Unwesen treiben und den Ruf aller schädigen. Dagegen muss man vorgehen, aber wie geht das?

So lange das System nicht anders ist, muss jemand für einen, der es braucht, Verantwortung übernehmen für die Pflege und alle Leistungen. Und das ist schwierig.

Die Marktideologie „Kunde-Dienstleister“ wird schon ewig von den Experten kritisiert, weil es eine Dreiecksbeziehung mit dem Kostenträger ist. Zum Beispiel können Angehörige sehr wohl entscheiden, wo die Hilfsmittel gekauft, aber sie müssen sich dann selbst kümmern. Als Beispiel: Weil wir unbedingt wollen, dass für den Rollstuhl keine große Hilfsmittelkette angefragt wird (aus Prinzip für kleine und mittlere Betriebe im Stadtteil), rufe ich bei der Kasse an und frage nach. Und die Ansprechpartnerin, die ich als hilfreich und kompetent in Erinnerung habe, schleudert mir als erstes ein „Da sind Sie bei mir ganz falsch“ entgegen, da sei der Kollege da und da zuständig. Gut, der war erreichbar, die Sache läuft. Aber Ermutigung zur kompetenten Marktteilnahme sieht anders aus.

Letztlich ist das wichtigste, sich die Betreuung durch vertrauenswürdige Dienstleister zu holen, also frühzeitig einen nicht-profitorientierten Pflegedienst einzuschalten. Und dann die Aufgabe anzunehmen. Wieviele machen sich als Laien zu IT-Experten, weil man mitreden will und es ja auch Geld kostet? Wie wär’s, sich mehr mit dem Alter zu beschäftigen?

P.S.: Gerade war der Text fertig, da kam diese PM von welchen, die sich noch wehren. Wie die wohl aufgegriffen wird?

Pflege nicht unter Generalverdacht stellen –  DEVAP kritisiert pauschale Vorwürfe
Berlin, den 15.08.2013. Zur breiten Berichterstattung zu einer Studie von „Transparency International“ erklärt Renate Gamp, Vorsitzende des Deutschen Evangelischen Verbands für Altenarbeit und Pflege (DEVAP):  „Die Studie beschränkt sich leider in weiten Teilen auf Pauschalisierungen. Es gibt keine Zahlen, keine sonstigen Belege. Das führt uns sachlich nicht weiter. ‚Transparenzmängel, Betrug und Korruption im Bereich der Pflege und Betreuung‘ – die Titelgebung ist unsachlich und irreführend, denn sie lässt vermuten, dass Betrug und Korruption die Pflege maßgeblich prägen. Im Text selbst fehlt die Einordnung, ob es um zwei oder 2000 Fälle geht. Auch gibt es Schwachstellen und sachliche Fehleinschätzungen.“

Renate Gamp weiter: „Es geht nicht darum abzustreiten, dass es auch im Bereich der Pflege zu Korruption und Betrug kommen kann – wie überall, wo Menschen arbeiten. Grundsätzlich muss dies, wie überall, eindeutig bekämpft werden. Aber von wenigen Einzelfällen auf eine gesamte Branche zu schließen, ist ein unzulässiges Verfahren“, stellt Renate Gamp klar. „Solche Berichte schaden dem Image der gesamten Pflege und dem Ruf von rund 24.000 stationären Pflegeeinrichtungen und Diensten, die sich nun zu Unrecht einem Rechtfertigungsdruck ausgesetzt sehen. Das kritisieren wir scharf. Die Pflege hat es nicht verdient, unter Generalverdacht gestellt zu werden. Dagegen wehren wir uns.“

„Davon abgesehen stellen die Autoren zwar bekannte, aber richtige Forderungen auf, die auch der DEVAP seit langem erhebt“, erklärt die DEVAP-Vorsitzende. „Wie die Autoren fordern wir, den ‚Behörden-Dschungel‘ zu lichten. Die unübersichtlichen gesetzlichen Verordnungen und Verwaltungsregelungen verursachen den Einrichtungen und Diensten bei der Organisation ihrer Arbeit erheblichen Aufwand. Das ist Zeit, die für die Versorgung der pflegebedürftigen Menschen besser investiert wäre. Und wie die Studienautoren kritisieren wir, dass die Pflegenoten die Qualität der Pflege nicht messen und setzen uns daher für einen Systemwechsel ein. Es ist sehr bedauerlich, dass die Medien allein die skandalisierenden Aussagen des Berichts aufnehmen, aber zu wenig über diese Ansätze zur Verbesserung des Gesamtsystems berichten.“