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Die Klangpinnwand

Heute zwischen einer sterbenslangweiligen Onlinearbeit und einem hoffentlich interessanten und unkomplizierten Artikel suche ich eine kleine Entspannung.

Und werde über Twitter mal wieder zur Klangpinnwand geführt. Ich sag’s mal so mit meinen Worten, Sie und Ihr könnt ja selbst nachgucken: Das ist eine Website, auf der jemand Fotos und Geräuschaufnahmen von unterschiedlichen Orten und Ereignissen eingestellt hat. Klänge, und zwar nicht Musik oder Sprache, sondern das, was ihm als akustische Eindrücke auffiel. Besonders liebe ich die Klänge in der Kategorie „Regionenklänge“ aus Chemnitz.

 Jetzt habe ich doch nachgelesen: Der Fotograf Frank Müller schreibt, dass er nicht schlafen kann, wenn es ganz ruhig ist, und so hat er Alltagsgeräusche als Einschlafhilfe aufgenommen! Na, das Problem hätte ich nicht.

Aber wie dem auch sei: Er hat daraus ein wunderbares schöpferisches Projekt gemacht. Wenn ich so einen Klang anklicke, dann sehe ich ein Foto und den kleinen Balken des Tonabspiel-Programms, das die Sekunden zählt, wie lange die Aufnahme noch dauert. Und anders als bei Fotos und Texten pur, die ich versuche, möglichst schnell zu erfassen, muss ich bei dem Klang dabei bleiben,  bis er zu Ende ist, wenn ich wissen will, was alles zu hören ist. Einen akustischen Thumbnail gibt es nicht.

Das hat so etwas Meditatives, verschafft einen Moment der Konzentration. Das tut gut.

Foto: Frank Müller (zum Klang der Art Mauer)

Mein Zuhause auf Twitter

Ich bin dabei, mir meinen eigenen Twitter-Zugang einzurichten. Bisher habe ich nur für andere oder für mich in einer Funktion getwittert. Jetzt werde ich verstärkt über meinen Namen 140-Zeichen-Botschaften absetzen. Dazu muss ich Leute sammeln, die mir „folgen“, das heißt, (vielleicht) lesen, was ich schreibe. Und ich sammle wiederum welche, denen ich folge. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Ich beginne mit denen, die ich schon aus der Politik kenne. Die werde ich ergänzen aus dem kirchlichen Umfeld. Und der Pflegeszene. Ob es da viele gibt, die twittern? Im Moment sicher noch nicht. (In der Chemnitzer Politik ist es auch noch sehr, sehr überschaubar.) Aber Fakt ist, Twitter gewinnt ständig neue Nutzer hinzu.

Und ich habe ja Zeit. Was ich jetzt anfange, das werde ich weiter entwickeln und für Jahre und Jahrzehnte nutzen. Das ist eine besondere neue Qualität. Seit es die Möglichkeit eigener Seiten und eigener Mailadressen gibt, hat man ein irdisches  Zuhause, was sich nicht mehr ändert. Vorausgesetzt, die Verhältnisse bleiben stabil und friedlich.

Das hat durchaus den Charakter einer Heimat, eines Zuhauses. Und für die, die mit mir Kontakt suchen, ist es die gute Geschäftslage, der Laden an der Ecke oder das Büro mitten in der Stadt. Willkommen!

Cui bono? – Was wir daraus lernen können

Vorgestern hatte das Sachsen-Fernsehen einen Sturm der Entrüstung entfacht über einen satirischen Chemnitz-Artikel. Die Freie Presse griff es auf, und das Sachsen-Fernsehen legte gestern in  einem Telefon-Interview mit dem Autor Michael Gückel nach.

Nur blöd, dass man sich vor dem Interview noch mal Teile des Textes vorlesen lassen musste und Bilder dazu angucken. Denn so gut war der Text nicht, und schon gar kein Script für eine schnelle Film-Doku.

Zwei Dinge finde ich bemerkenswert:

1. Ein Text, aus dem Zusammenhang gerissen, ist missverständlich. Und das auf jeden Fall bei der letzten Seite dieser Tageszeitung, die schon immer in vieler Hinsicht anders ist und anders sein will. Wetten, dass die Reaktionen nie so heftig gewesen wären, wenn alle erst die ganze Zeitung in die Hand genommen hätten und sich bis zur „Wahrheit“ durchgeblättert hätten?

2. Die meisten Reaktionen waren weit schlimmer als das, was der Autor geschrieben hat. Vorurteile oder schlechte Meinungen über meine Stadt und meinen Stadtteil sind eine willkommene Gelegenheit, einen Missionsversuch zu starten. Wie hier  Schreiber über den Journalisten und die taz hergefallen sind, das ist peinlich. Gerade das erschüttert meine Identifikation mit Chemnitz.

Es waren zum Glück ein paar andere dabei, zum Beispiel Professorin Christine Weiske outete sich als Abonnentin und bot der Redaktion Hilfe mit einem Bericht an. Die Idee vom „Weinandsmann“, dass es ein Trick vom Stadtmarketing sei, der Redaktion den Text unterzuschieben, damit sich Chemnitzer lautstark zu ihrer Stadt bekennen, ist nett, aber hat noch nicht geklappt.

Hoffen wir, dass der Kommentierer „Herrb“ recht hat – der außerdem an eine ähnliche Affäre erinnert, als ganz Polen auf den Barrikaden war:

„Die Wahrheit ist keine Satire-Seite der TAZ sondern schon lange eine Beleidungsseite. Gelegentlich muss ich trotzdem über die Texte lachen. Zum Beispiel als der polnische Präsident Lech Kaczynski im gleichen Stil als sprechende, dümmliche Kartoffel herunter geputzt wurde (was übrigens zur Einbestellung des deutschen Botschafters in Warschau führte). Zwei Vorteile hat dieser Artikel für Chemnitzer. Zum einen: Publicity ist Publicity (jede Presse ist gute Presse) und zum anderen wird es wohl wieder einfacher, die heile Welt verstörter Wessis einstürzen zu lassen, wenn sie hierher kommen. Das macht immer viel Spaß. Leider bröckelt der schlechte Ruf von Chemnitz inzwischen ganz schön. Da ist Nachschub nicht schlecht. Also gemach. :-)“

Heimat & Crossmedia

Der Stadtteil, in dem ich lebe, „spricht“ zu mir: die Menschen, die Umgebung. Gerade als innerdeutsche Migrantin in der dritten Generation, die an vielen Orten zu Hause ist, nehme ich Heimat bewusst wahr. Crossmedia, also der abgestimmte Einsatz von Medien – Zeitung, Fernsehen, … , Web 2.0 –  verstärkt die Identifikation mit meiner Umgebung.

Und schafft „Heimatgefühle“ auch im übertragenen Sinne, die Zugehörigkeit, die zu einer Handlung motiviert. – Kurz gesagt: Wer was von Menschen will, braucht viele Medien. Internet gehört immer dazu. Deshalb arbeite ich am meisten online.