Wer findet das Huhn?

Kennt Ihr das? Da will man zu Weihnachten etwas basteln. Letztes Jahr hatte ich schon einen Blogbeitrag „Weihnachten ist Kommunikation“ gebastelt, statt Karten und Geschenke.

plakat_bananeWas sollte es dies Jahr sein? Die Idee greift auf meine Vergangenheit zurück. „Brot für die Welt“ kennt fast jeder. Zu meinen Öffentlichkeits- und Pressesprecherinnenaufgaben gehörte auch, alle Jahre wieder unsere evangelische Spendenaktion möglichst breit in die Hamburger Öffentlichkeitsarbeit zu bringen. Gemeinsam mit den kreativen KollegInnen machte das viel Freude.

plakat_neue_landnahmeGestöhnt habe ich bzw. haben wir aber über die allgemeinen Bilder und Slogans in Kirchensprache – am liebsten davon gleich mehrere. Wenn jedes Jahr am 1. Advent eine neue Aktion eröffnet wurde, gut, aber wenn dabei der Wiedererkennungseffekt auf der Strecke blieb und kein Mensch verstand und behalten konnte, was nun die eine Kampagne von der anderen unterschied … . Dass „Brot für die Welt“ nicht mit traurigen Patenkindern warb, sondern auch politische Inhalte transportieren wollte, das verteidigten wir ja gern. Und dass man nicht für zehn Säcke Reis spenden konnte, sondern für komplexe Projekte. Aber die Vermittlung hätten wir gern einfacher, markanter gestaltet. Das konnten wir als einer von über 20 Landesverbänden der Diakonie nur eingeschränkt beeinflussen.

Und dann tauchte eine neue Agentur auf, die mit ihren Entwürfen sowohl die Insider in der Zentrale von „Brot“ wie auch die Außenwelt überzeugte. Ich kannte sie noch als „Buttgereit und Heidenreich“. Kurz vor meinem Wechsel nach Hamburg in der Phase „Was mach‘ ich denn jetzt mal Neues?“ hatte ich sie kontaktiert, weil ich mitbekommen hatte, dass da kreative, unkonventionelle Christen etwas gegründet haben. Sie haben mich eingeladen, wir haben uns darüber unterhalten, wie wichtig gute Konzepte sind, dass der Kunde oft mit etwas ganz anderem zufrieden ist, als er es sich vorher vorgestellt hatte. Ich war nicht wirklich auf Stellensuche in Haltern am See und sie nicht wirklich auf Personalsuche, es war ein Kennenlernen. Und seitdem verfolgte ich froh, was da an Gutem in die Welt gesetzt wurde. Die Auszeichnungen für die Plakate sprechen für sich und auch die Menge an kostenlosen Plakatwänden, welche „Brot für die Welt“ dadurch bekommen hat.

bfdw_wenige_ist_leerr„Weniger ist leer“ zum Beispiel, was die Agentur als Beispiel für „Positionierungsdesign“ beschreibt. Genau! sage ich,  das war die Aufgabe: „Wie kann das Anliegen der Aktion „Brot für die Welt“ auf allgemeinen Anschlagflächen so dargestellt werden, dass Aufmerksamkeit erzeugt wird, Spenden generiert werden und gleichzeitig langfristig auf das Markenkonto dieser weit über kirchliche Kreise hinaus bekannten Marke eingezahlt wird?“ Langfristig! Markenkonto!

Dies Jahr war ich extra am 1. Advent bei der landesweiten Eröffnung der 55. Aktion, diesmal in Chemnitz. Ich verlinke den meines Wissens einzigen Artikel darüber und muss schmunzeln: das abgebildete Plakat mit der Stolle ist sächsisch. Wenn es so eine gute Idee wie den „Stollenpfennig“ gibt, dann verdrängt die als Bildmotiv das offizielle Plakat. Und ich finde das durchaus berechtigt.

Das neue Kampagnenthema „Land zum Leben – Grund zur Hoffnung“ kam im Gottesdienst zur Sprache und tauchte auf Plakaten im Stadtbild auf. Um es konkret zu sagen, der Slogan ist eher Kirchensprache: es geht um Landraub, dass Bauern verdrängt werden, weil bfdw_aktionsplakat_2014irgendwelche Investoren den Grund gekauft haben, den sie bebauen. Deutlich gesagt: „Brot für die Welt“ können die Bauern selbst anbauen, wenn sie juristisch-politisch unterstützt werden. Und dafür sollen wir spenden. Wow, ziemlich weit weg von Aktionen, bei denen Kinder ihr Spielzeug, was langweilig geworden ist, für arme Kinder in ein Paket packen.*

Besonders begeisterte mich das Huhn, der „gemeine europäischen Zugvogel“. Da haben die Guten Botschafter versucht, den Zusammenhang, wie unsere Massengeflügelhaltung und die Bevorzugung von Brust, Keulen und eventuell noch Fügeln („Chicken wings“) dafür sorgen, dass der Rest des Tieres exportiert wird und in Afrika den Markt kaputt macht, in ein Plakat zu packen. Was ich in einem Bandwurmsatz quetsche, ist ein Hingucker auf City-light-Flächen.

Ich wollte mit diesem Bild meinen Beitrag anfangen und dann nur erzählen, wie toll das heute bei „Brot für die Welt“ ist. Und dadurch dem Thema weiter zur Verbreitung helfen, denn dieser ästhetische Teller mit Reis wird vielleicht doch lieber plakatiert als ein nacktes Hähnchen.

Doch wie das beim Basteln ist, wenn man nicht rechtzeitig alles Material besorgt hat: Das Bild findet sich nirgendwo im Netz. Die Pressesprecherin von „Brot für die Welt“ hat mir am Freitag Nachmittag zwar Links zu den anderen guten Motiven besorgt, aber nirgendwo ist die ganze neue Kampagne zu sehen. Die helfen könnten, sind im wohlverdienten Weihnachtsurlaub.

Wir basteln das Geschenk gemeinsam

Also, was ich basteln wollte, wird nicht fertig, was tun? Dann schenke ich einen Gutschein! Oder schenke, dass wir es gemeinsam fertig basteln. Zum Beispiel, indem wir überall nach dem Plakat Ausschau halten und es selbst fotografieren und posten oder schicken. Mal sehen, wie schnell das geht.

Zweite Alternative zum Gebastelten ist das Geldgeschenk. Das geht nicht immer, aber hier auf jeden Fall. (Merkt Ihr: das sächsische Konto. Es sollen schon norddeutsche Besserwisserinnen gesagt haben, ein zentrales Konto tue es doch auch, aber das war gestern … . Bei Spenden bis 200 Euro reicht der Kontoausszug für die Spendenquittung, wenn man es im Verwendungszweck vermerkt, keine Quittung und Post zu wollen, halten die sich dran.)

Und als kleinen Geschenkanhänger noch dieser Link, der mir neulich ein weiteres Mal Gefühl von Fortschritt gab: Bettina Gaus schrieb in der taz nach dem Taifun, dass man ohne Zweckbindung spenden solle, und am besten an Organisationen, die Soforthilfe mit langfristiger Aufbauhilfe verbinden. Wenn sich das Wissen verbreitet, dann ist viel geholfen.

Ich wünsche allen frohe und gesegnete Weihnachten!

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* Anmerkung: Pädagogisch ist das wichtig, dass Kinder abgeben lernen. Und natürlich freuen sich Kinder überall über Geschenkpäckchen. Das kann auch mal von Leuten stammen, die man nicht ganz so persönlich kennt. ABER es ist viel besser, wenn ihre Eltern oder andere Bezugspersonen in die Lage versetzt werden, ihnen etwas nach ihrer eigenen Tradition und ihren Bedürfnissen zu schenken. Spendet für Projekte, die Arbeit schaffen, und für Kindergärten und Schulen! Sonst lernen die Empfänger der Päckchen nur falsche Dinge über das reiche Deutschland. Man fühlt sich vielleicht generöser, wenn man etwas einpackt, als wenn man eine Summe überweist. Doch da gilt für mich der Satz des Apostels Paulus „Was hast du, was du nicht empfangen hast?“ Dass ich habe und abgeben kann, kommt von Gott, es gehört mir nicht.

 

„Betrug und Korruption in der Pflege“

Betrug und Koruption in der Pflege – heute sind die News-Einträge voll davon. Die Geschichte ist aus den Nachrichten der letzten Tage schnell verknüpft: Der Pflege-TÜV wird verschärft, und das System der Pflege ist von betrügerischen Geschäftemachern durchsetzt. „Schlimm, wer räumt da auf?“

Ich behaupte, es gibt keinen  Bereich in der Berichterstattung, der gleichermaßen in der Falle zwischen Unkenntnis, Betroffenheit und Business steckt. Da mögen die Genforscher und -bekämpfer, das Militär und die Pazifisten, dagegen halten.

Unkenntnis: Wer weiß, wie der Pflege-TÜV entwickelt wurde, auf welchen fachlichen Standards er aufsetzte? Das wissen viele Fachleute, immerhin. Wie viele gute Noten aber echt sind und wie viele durch Betonung der Doku und die entsprechende zielgerichtete Fortbildung der letzten Jahre entstanden, weiß niemand. Und fragt kaum jemand. Sinnvolle evidenzbasierte Systeme wie Wingenfeld-Engels kennen Journalisten nicht – mit Ausnahmen – 😉 . Einige trommeln zwar dafür, aber wenn die Bundesregierung eine Studie bezahlt und sie dann in der Versenkung verschwinden lässt, was dann?

Betroffenheit: Es geht uns alle an, wir werden alle älter, jeder in der Redaktion hat irgendwo seine eigene Angst oder mindestens die um Angehörige: was mache ich, wenn meine Mutter auch noch pflegebedüftig wird? Nicht zuletzt gibt es den SPIEGEL-Bestseller „Mutter, wann stirbst du endlich?“ Kriege sind weit weg, Gensoja kommt mir nicht auf den Teller (meine ich zumindest …), aber alt werde ich, wenn ich nicht jung sterbe. Das ist das Einfallstor für das reißerische Aufblähen, unter dem die Pflege so leidet und versucht, sich zu wehren.

Business: Ich sage selbst, meine Themen sind Pflege und Gesundheitswirtschaft. Klar ist es ein Business. Aber da müssen wir genau hingucken. Die Lebensqualität, die Beziehungen, die lebensnotwendige Zuwendung bis zum Schluss ist kein Business. Aber wieviel Zeit jemand hat, um diese Zuwendung praktisch werden zu lassen, hat viel mit Geld zu tun. Und seit im Neoliberalismus der Gedanke aufkam, dass der Markt die beste Steuerung sei, müssen die Pflegeeinrichtungen auf’s Geld gucken. Irgendjemand muss es bezahlen. Und am Ende sind es oft genug die Pflegekräfte selbst, die nicht auf die Uhr schauen. Schlimm, dass da Geschäftemacher, die aus diesem Business, weil es privatwirtschaftlich ist, den Profit rausziehen können, ihr Unwesen treiben und den Ruf aller schädigen. Dagegen muss man vorgehen, aber wie geht das?

So lange das System nicht anders ist, muss jemand für einen, der es braucht, Verantwortung übernehmen für die Pflege und alle Leistungen. Und das ist schwierig.

Die Marktideologie „Kunde-Dienstleister“ wird schon ewig von den Experten kritisiert, weil es eine Dreiecksbeziehung mit dem Kostenträger ist. Zum Beispiel können Angehörige sehr wohl entscheiden, wo die Hilfsmittel gekauft, aber sie müssen sich dann selbst kümmern. Als Beispiel: Weil wir unbedingt wollen, dass für den Rollstuhl keine große Hilfsmittelkette angefragt wird (aus Prinzip für kleine und mittlere Betriebe im Stadtteil), rufe ich bei der Kasse an und frage nach. Und die Ansprechpartnerin, die ich als hilfreich und kompetent in Erinnerung habe, schleudert mir als erstes ein „Da sind Sie bei mir ganz falsch“ entgegen, da sei der Kollege da und da zuständig. Gut, der war erreichbar, die Sache läuft. Aber Ermutigung zur kompetenten Marktteilnahme sieht anders aus.

Letztlich ist das wichtigste, sich die Betreuung durch vertrauenswürdige Dienstleister zu holen, also frühzeitig einen nicht-profitorientierten Pflegedienst einzuschalten. Und dann die Aufgabe anzunehmen. Wieviele machen sich als Laien zu IT-Experten, weil man mitreden will und es ja auch Geld kostet? Wie wär’s, sich mehr mit dem Alter zu beschäftigen?

P.S.: Gerade war der Text fertig, da kam diese PM von welchen, die sich noch wehren. Wie die wohl aufgegriffen wird?

Pflege nicht unter Generalverdacht stellen –  DEVAP kritisiert pauschale Vorwürfe
Berlin, den 15.08.2013. Zur breiten Berichterstattung zu einer Studie von „Transparency International“ erklärt Renate Gamp, Vorsitzende des Deutschen Evangelischen Verbands für Altenarbeit und Pflege (DEVAP):  „Die Studie beschränkt sich leider in weiten Teilen auf Pauschalisierungen. Es gibt keine Zahlen, keine sonstigen Belege. Das führt uns sachlich nicht weiter. ‚Transparenzmängel, Betrug und Korruption im Bereich der Pflege und Betreuung‘ – die Titelgebung ist unsachlich und irreführend, denn sie lässt vermuten, dass Betrug und Korruption die Pflege maßgeblich prägen. Im Text selbst fehlt die Einordnung, ob es um zwei oder 2000 Fälle geht. Auch gibt es Schwachstellen und sachliche Fehleinschätzungen.“

Renate Gamp weiter: „Es geht nicht darum abzustreiten, dass es auch im Bereich der Pflege zu Korruption und Betrug kommen kann – wie überall, wo Menschen arbeiten. Grundsätzlich muss dies, wie überall, eindeutig bekämpft werden. Aber von wenigen Einzelfällen auf eine gesamte Branche zu schließen, ist ein unzulässiges Verfahren“, stellt Renate Gamp klar. „Solche Berichte schaden dem Image der gesamten Pflege und dem Ruf von rund 24.000 stationären Pflegeeinrichtungen und Diensten, die sich nun zu Unrecht einem Rechtfertigungsdruck ausgesetzt sehen. Das kritisieren wir scharf. Die Pflege hat es nicht verdient, unter Generalverdacht gestellt zu werden. Dagegen wehren wir uns.“

„Davon abgesehen stellen die Autoren zwar bekannte, aber richtige Forderungen auf, die auch der DEVAP seit langem erhebt“, erklärt die DEVAP-Vorsitzende. „Wie die Autoren fordern wir, den ‚Behörden-Dschungel‘ zu lichten. Die unübersichtlichen gesetzlichen Verordnungen und Verwaltungsregelungen verursachen den Einrichtungen und Diensten bei der Organisation ihrer Arbeit erheblichen Aufwand. Das ist Zeit, die für die Versorgung der pflegebedürftigen Menschen besser investiert wäre. Und wie die Studienautoren kritisieren wir, dass die Pflegenoten die Qualität der Pflege nicht messen und setzen uns daher für einen Systemwechsel ein. Es ist sehr bedauerlich, dass die Medien allein die skandalisierenden Aussagen des Berichts aufnehmen, aber zu wenig über diese Ansätze zur Verbesserung des Gesamtsystems berichten.“

 

 

 

Statusmeldung

Wie das Internet unsere Sprache beeinflusst. Vor zwei Jahren dachte ich bei „Status“ an den sozialen Status. Es war ein Fachwort der Soziologen, was Eingang in die Alltagssprache gefunden hatte. Jetzt ist es das, was man bei seinem Profil in einem sozialen Netzwerk in das offene Feld schreibt. Als Antwort auf: „Was gibt es Neues?“ Weiterlesen »

Dort bitte kommentieren, nicht hier!

Ich habe die Kommentarfunktion hier abgeschaltet. Ich habe mich über Reaktionen auf meinen Weihnachtsblog gefreut. Er regte an, wurde sogar ausgedruckt und vorgelesen. Aber das sind keine öffentlichen Kommentare. Dafür ist weyandt.de gar nicht gedacht.

Dafür empfehle ich die Seite meines Stadtteils, mit der mich seit 1.1.2013 ein neuer Auftrag verbindet.  Da verfolge ich alles und würde mich freuen, wenn sich viele beteiligen.

Weihnachten ist Kommunikation

Für meine Weihnachtsgrüße verwende ich dieses Jahr die neue Website. Als mein Briefpapier fertig war, in dem Jahr nach dem Umzug, habe ich lange Briefe verschickt. Dies Jahr also ein Blogbeitrag auf der offiziellen Weyandt-Site zum Thema Weihnachten.
SternWie kam ich darauf? War es ausgelöst durch die jedes Jahr neue Erleichterung, dass wir uns unter den Erwachsenen nichts schenken und ich mich nicht in der Adventszeit mit dem Kaufen/Basteln von Sachen beschäftigen muss? Weihnachten ist an sich etwas Nicht-Materielles. Die besonderen erzgebirgischen Feier-Traditionen, die auch hier am Fuß des Erzgebirges so lebendig sind, verdienen es entschieden, auf die Liste des immateriellen Weltkulturerbes gesetzt zu werden. Neben die französische Esskultur und den Flamenco.
Dazu gehört die Sitte, dass einem überall ganz präzise „ein schöner 1., 2., 3., 4. Advent“ gewünscht wird. Und nicht das „Schöne Feiertage“. Das erzähle ich gern weiter. Ich bin kommunikativ, ich teile gern Erkenntnisse, Geschichten.

Dass Weihnachten Kommunikation ist, erlebe ich auch an den ersten Weihnachtsgrüßen in der Post. Zuerst der Brief von einem Studienfreund, einem Pastor, der eine wunderbare altmodische Handschrift hat. So ein Umschlag mit dieser Handschrift, das ist schon wie eine Nachricht: Er hat es wieder geschafft, ich weiß nicht wie, trotz Familie und Gemeinde und einem großen Freundeskreis extrem pünktlich eine Karte zu schreiben. Ich habe den Brief noch nicht aufgemacht, aber es ist bestimmt etwas Schönes mit warmen persönlichen Worten. Während ich das schreibe, fühle ich intensiv die Freude über solche Beziehungen. In einem Alter, in dem man anfängt nachzurechnen, wie lange man sich schon kennt und ganz erstaunliche zweistellige Zahlen erscheinen, zeigen sich trotz allem Wechsel gewisse Traditionen in den Beziehungen. Da ist die Freundin, die Jahr um Jahr eine vorgedruckte Grußkarte mit nur einem handgeschriebenen Wort, ihrem Namen, verschickt. Die vielköpfigen Familien, die KarteMaxi-Webeinen mit Rundbriefen auf dem Laufendem halten. Die kreativen Überraschungen der Kinder. Oder die Mehrheit, die gar nichts von sich hören lässt, aber bei einem Telefonat alle zwei Jahre herzlich Anteil nimmt, erzählt und zu Besuch einlädt, als wäre man nie getrennt gewesen.
Kommunizieren muss man auch bei den Festvorbereitungen: Wie wann die bejahrten Feiergäste abholen, wo sie unterbringen, was vorbereiten, wie die Feiertage gestalten. Feiern gehört in allen Kulturen in das Leben der Menschen, und dazu gehören die Festvorbereitungen. Ich habe auch schon den Heiligabend nur mit Gottesdiensten und einem einfachen Essen zu zweit gefeiert. Aber wenn ich die Möglichkeit habe, will ich gern für einen Kreis von Menschen ein Fest vorbereiten. Nur zu stressig darf es nicht sein. Ich nehme mir nicht viel vor und davon streiche ich noch einiges. Weihnachten ist Kommunikation, nicht geputzte Fenster! Oder vielleicht doch? Mal sehen, wie die Zeit reicht.
Es ist eine ernsthafte jährliche Übungseinheit, die Balance zu halten zwischen Erwartungen, den eigenen und denen anderer, und dem Möglichen. Darüber zu sprechen hilft.
FAVORITENWeihnachten als Kommunikation, das führt mich zur Weihnachtsgeschichte. Eine Geschichte, ein EUANGGELION ist der Festanlass. Natürlich kann man die Tage auch als Kindheits- und Familienfest gestalten. Ich weiß nicht, wie ich mich da verhielte, wenn ich nicht Christin wäre. Ohne Kinder fiele schon mal was weg. Und ich möchte jetzt und in Zukunft erfüllte, freudevolle Tage haben, nicht nur in der Rückerinnerung auf die wenigen Jahre, in denen Geschenke, Weihnachtsbaum und Plätzchenteller zum Glück ausreichten.
Also die Geschichte. Die seltsame Zeugung, nur durch das Wort? So wie die Erschaffung der Erde durch das Wort Gottes wird Gott Mensch in einer Jungfrau? Sicher steigen einige, die das lesen, jetzt fast aus. Katharina, an was glaubst du da! Zwei Dinge weiß ich: 1. Die Geschichte bedeutet nicht, dass Sex etwas Schmutziges, Vermeidenswertes sei. 2. Es ist ein Geheimnis. Als ich im Biologieunterricht das Wort „Parthenogenese“ kennenlernte, was eben das bedeutet, Jungfrauengeburt, fand ich das interessant. Die Hauptbotschaft ist auf jeden Fall nicht die wundersame Zeugung, sondern was daraus wurde: Der inspirierte Text der Maria von den Armen, denen sich Gott zuwendet, während die Reichen leer ausgehen. Die Botschaft an die Hirten, dass der Erlöser geboren wurde. An die Weisen, dass der König der Welt da ist. Und dass sie es weitererzählen sollen.

„Altenheime bald unbezahlbar“

Mit der Pflege kann man Aufreger-Themen plazieren. Dieser Artikel aus der WELT am Sonntag gestern, und schon drucken viele Medien die Nachricht nach.

Und das, wo man mit ein bisschen Sachkenntnis sofort gegenhalten könnte: Das ist nicht Neues. Erst seit der Einführung der Pflegeversicherung gibt es mehr „Selbstzahler“ im Heim. Erst so erreichen es Bezieher normaler Alterseinkünfte, dass sie vieleicht in den niedrigen Pflegestufen mit dem Zuschuss der Pflegeversicherung auskommen. Der ist aber nicht in dem Maße gestiegen, wie es nötig wäre. Wenn deshalb die Zahl der Selbstzahler anscheinend wieder sinkt, kein Wunder.

Intensive Pflege ist teuer. Und dazu braucht es die Allgemeinheit, den Sozialstaat. Konkret übernimmt die Sozialhilfe das, was zu viel ist. Das gilt auch im ambulanten Bereich, zum Beispiel für diese gute Demenz-WG, über die ich neulich geschrieben habe. Da müssen auch die Angehörigen ersten Grades ihren Beitrag leisten, aber es gibt Grenzen, so dass es – ich sag’s hier im Blog mal locker ohne Beispielzahlen – nicht so schlimm für sie ist.

Wer genug Geld hat, der muss es dafür aufwenden, klar. Dennoch  ist die Pflegeversicherung die große Vermächtnis-Schon-Aktion. Eine einfache Rechnung – der Zuschuss wird gezahlt, der Betrag geht nicht vom Erbe ab.

Wenn angesichts dieser Nachricht die Idee ins Gespräch gebracht wird, Pflegeheime ins Ausland zu verlagern wie die Autoteileproduktion, dann steckt ein klares politisches Interesse dahinter. Erstens die Idee, dass ein stabiles Sozialsystem nötig ist, zurückdrängen. Das ist schon bei der allgemeinen Diskussion um die Zuschussrente so. Und zweitens jede Regung, dass Pflegekräfte besser gestellt werden müssten, im Keim ersticken. Es ist ja kein Geld da! Die armen Alten! Wer wird da so selbstsüchtig sein und an die Geldbeutel der Pflegekräfte denken!

Als letztes will ich die positive Seite sehen: Es ist völlig richtig, angesichts der Hilfsbedürftigkeit am Lebensende auch zu rechnen und kreativ zu werden. Der Sohn, der zuerst seine Mutter und andere Alzheimerkranke in Thailand untergebracht hat, hat dort seinen Lebensmittelpunkt. Oder angesichts der Krise in Spanien und Griechenland kann der Gesetzgeber sicher seine Bestimmungen für die Zahlung von Pflegeversicherung und Hilfe zur Pflege durchleuchten, ob nicht für manche Deutschen, die dort hin gezogen sind und kaum Kontakte in der Heimat haben, vor Ort besser Hilfe organisiert werden kann als dass sie zwangweise zurückkommen. Das müsste dann aber entschlossen angegangen werden. Die Probleme dürften nicht allein bei den Auslandsgemeinden und Konsulaten landen.

Sonst ist es ein Nebelkerzenwerfen. Und das hilft niemand.

Wie werbe ich auf dem Sonnenberg?

Ich halte einen kleinen Workshop in meinem Stadtteil.

Wer auf dem Sonnenberg ein Angebot macht, sei es kommerziell in Gewerbe und Dienstleistung oder im kulturellen oder sozialen Bereich, steht vor der Frage: Wie erreiche ich die Interessierten? Wie mache ich mein Angebot bekannt? Bei der Antwort hilft es zu wissen, wie sich die Sonnenberger über Angebote im Stadtteil informieren.

Auf diese Frage gibt die aktuelle repräsentative Bewohnerbefragung eine Antwort. Der Workshop informiert über die Befragungsergebnisse und stellt sie in den größeren Zusammenhang von Marketing und Werbung.

Die Teilnehmer werden angeregt, eigene Beispiele und Fragen einzubringen, so dass nützliche Tipps erarbeitet werden können.
Das ganze findet statt in der „KonzeptBar“. Das ist ein Ladenlokal in der Fürstenstr. 41, das für zwei Monate vom Projekt Gewerbemanagement genutzt wird.

Da ich von Gewerbemanager gefragt wurde und zugesagt habe, hoffe ich nun auf eine nette kleine Runde. Es gibt die Gelegenheit, kostenlos und ohne Verkaufsabsichten diese Beratung zu kriegen.  Da ich zur Zeit nichts mit PR mache, ist das ein außergewöhnliches Angebot.

Und da mir die Läden bei uns am Herzen liegen, trage ich gern zu ihrem Florieren mehr bei als nur als Kundin.

89 Kommentare gelöscht – und wie Twitter beginnt zu nerven

Gerade habe ich auf der www.sonnenberg-chemnitz.de 89 Kommentare aus dem Filterprogramm geprüft und gelöscht. Kompletter Mist zu unterschiedlichsten Themen. Das muss man ansehen, sonst rutscht einem etwas durch. Denn Rechtschreibfehler allein wären für mich kein Grund, sofort auf Spam zu tippen.

Direkt witzig war das hier aus der Philosophie-Religion-Kiste, wo es um Sprache geht:

sagt:.. so wie Humadboldt meinte „Der Mensch ist nur Mensch durch Spraadche“. Dadurch dass wir biceezhadnen und unteradscheiadden, schafadfen wir die Welt. Die Frage nach wahr und falsch bleibt denadnoch unbeadantadwortadbar. Denn ob unsere Konadstrukadtion auch eine wahre Entadspreadchung hat kann von unseadrem Beobadachadteradstandadpunkt aus nicht mehr objekadtiv beuradteilt weradden.Da durch die getrofadfene Unteradscheiaddung der „unmaradked space“ veradlasadsen wird, machen wir uns selbst zum Menadschen, der nicht anders kann als ste4naddig zu unteradscheiadden, zu ordadnen, zu soradtieadren und somit dann in ste4naddiadger Selbstadbeadzfcgadlichadkeit Paraaddoadxien zu schaffen.Dass am Anfang das Wort war ist fcbriadgens nicht fcberadreadliadgif6s sonaddern erhe4lt im Johanadnesadevanadgeadlium seine Entadspreadchung in Jesus Chrisadtus. …

Naja, jedenfalls frage ich mich: Wer macht sowas? Wer veranlasst das? Was soll das?

Ich sehe das mit den Kommentaren so: Klar gibt es die großen und lange und intensiv gepflegten Blogs, die eine kommentierende Communitiy um sich scharen. Aber wenn ich sehe, wie selten ich mir selbst die Mühe mache und die Zeit nehme, etwas zu kommentieren – und vor allem dann wieder reinzugehen und den Dialog weiterzuführen – dann warte ich hier nicht auf Kommentare.

Die Funktion finde ich ganz wichtig als Möglichkeit. Schließlich habe ich Ohren, nicht nur einen Mund. Aber wenn ich von jemand mündlich höre, dass er meinen Blog liest, oder wie vor einiger Zeit mal ein Zitat in einem Artikel in der Zeitung wiederfand, dann ist mir das Resonanz genug. Wichtiger finde ich, selbst zu Leuten zu gehen, nachzufragen, mit ihnen im Gespräch zu sein, zu lesen, was sie anderswo schreiben.

Auf Twitter ist das was anderes, da schaue ich nach den RT’s und Antworten. Danke an alle Follower! Das ist ein schnelles und kurzes Medium. Und Facebook? Ja, die Frage musste kommen. Ehrlich gesagt, es kann nett sein, manche Kontakte und Dialoge führen wirklich weiter, aber die Umgebung dieser Plattform gefällt mir nicht. Wieviele Funktionen man sorgfältig aus-x-en muss, um halbwegs im Rahmen des Nervkram (Mails) und Datenschutz zu bleiben.

Übrigens, Twitter hat auch schon mit dieser Art begonnen, „…haben Tweets für dich“.  Da möchte ich schreien: JA, MAMA, wenn ich was will, dann gucke ich da selbst rein! Vielleicht hat mich meine Mutter zu gut zu Selbständigkeit erzogen, dass ich nicht dauernd mit solchen Hiinweisen genervt werden will. Wo kann ich das abschalten? Bitte kommentiert das mal…

 

Sachsen will nicht „Big Brother“ sein

Zuletzt schrieb ich im Juni über den beabsichtigten Kauf einer Schnüffelsoftware durch den Freistaat Sachsen: „Ich bin gespannt, ob und wie sich diese Nachricht verbreitet. Als bekannt wurde, dass die Schufa soziale Netzwerke nutzen will, gab das ja einen deutlichen Abwehrsturm.“

Nun, es musste doch das gute alte Sommerloch kommen und eine klassische Pressemeldung, bis wirklich jemand reagierte. Und einen Tag später Staatskanzleichef Beermann das Projekt für beendet erklärte. Der Tweet von Johannes Lichdi am 20. Juni mit seiner Anfrage war erst mal untergegangen. So viel zum Verhältnis alter und neuer Medien.

Die Begründung von Beermann, mit der er im MDR zitiert wurde, ist allerdings leider auch peinlich: „Die Frage sei gewesen, warum man Geld für eine Suchmaschine ausgeben solle, wo doch jeder mit herkömmlichen Mitteln selbst im Internet suchen könne, begründete Beermann seine Entscheidung. „Das ist nichts, wofür man Geld ausgeben muss.“

Lieber Herr Beermann, so eine Software bietet schon mehr als wenn Sie heute mal kurz Sachsen und Software in der Google-Newssuche eingeben. Wissen Sie das wirklich nicht?

Das wäre eine Gelegenheit gewesen, dem Bürger zu sagen, dass man ihn nicht ausspionieren will und deshalb das Projekt stoppt.

Aber ich will mich erst mal freuen. So ein deutliches Beispiel, was man auch aus der Opposition erreichen kann!

Herr Beermann, jetzt haben Sie viel Geld gespart. Fragen Sie die Bürger doch mal nach Ideen, was man damit machen kann. Die sagen Ihnen das bestimmt gern.

Schnüffelsoftware von Google und Sachsen

„Interessante Trends in Ihrer Webaktivität beobachten

Welche Websites rufe ich häufig auf? Wie viele Suchen habe ich zwischen 10:00 Uhr und 14:00 Uhr durchgeführt? Webprotokoll gibt Ihnen Auskunft hierüber und enthält weitere interessante Informationen zu Trends bei Ihrer Webaktivität.“-

Das verspricht Google mir, wenn ich mein Webprotokoll wieder aktiviere. Als Google+ aufkam, habe ich mich damit beschäftigt und festgestellt: Man kann da etwas tun, um den eigenen Datenschutzkriterien zu genügen.

Ausprobieren: Jeder, der sich schon mal bei Google angemeldet hatte, um irgendeinen Dienst zu nutzen, für den wird zum Beispiel gesammelt, welche Suchanfragen er/sie gestartet hat. Da kann man schon einiges über die Interessen herauslesen. Aber man kann recht einfach alle Häkchen der Zustimmung entfernen.

Denn ich lege keinen Wert darauf, dass mir irgendwann Google voraussagt, wie ich mich entscheiden werde – wie jemand von der Firma mal in einem Interview ankündigte.

Gestern schreckte mich die Nachricht auf, dass Facebook face.com gekauft hat und dann noch besser Personen markieren kann. Picasa macht das ja auch. Da waren auf einmal alle Urlaubsfotos von Menschen – samt der Masken in der Museumsvitrine – zum Benamen präpariert.  Gruselig finde ich das. Wenn ich mal dement bin, dann mag das nützlich sein, die Gesichtserkennungssoftware, die mir den Namen derer, die mir begegnen, auf das Display am Rollator aufblendet. Oder werde ich darauf verzichten wollen?

Jetzt auf jeden Fall noch schnell auf Facebook gucken, dass ich auch alles deaktiviert habe, was mit der Markierung zu tun hat. Und dann den Link zu diesem Blog teilen, dass niemand denkt, ich sei unhöflich…

Sachsen will Software für Blogosphäre-Monitoring

Jetzt überlege ich:  Wie verhält sich dies Datensammeln über mich, was vorgeblich für mich ein Service sein soll, aber klar dem Verkaufen dient, zu dem, was mein Freistaat plant? Ich zitiere aus der Ausschreibung der Staatskanzlei:  „Bereitstellung einer bereits vorhandenen Software zur Beobachtung (Monitoring) der Kommunikation in sozialen Netzwerken und der Blogosphäre (Social Web) für den Freistaat Sachsen; Betrieb der Software auf Rechnern des Auftragnehmers (Betreiberleistung); …..“ – Was wofür wie teuer will Sachsen da was kaufen, fragt sofort der Abgeordnete, für den ich arbeite. http://www.johannes-lichdi.de/datenschutz.html

Ich kann es immer noch nicht richtig glauben, dass Sachsen wirklich so etwas anschaffen will. Sicher, ich kenne Inhaltsanalysen und ihre Methoden, aber das macht ein demokratisches Bundesland doch nicht mit seinen Bürgern! Wer stellt denn da die Fragen? Und wer kriegt die Ergebnisse? Und was, verdammt, passiert dann damit?

Ich bin gespannt, ob und wie sich diese Nachricht verbreitet. Als bekannt wurde, dass die Schufa soziale Netzwerke nutzen will, gab das ja einen deutlichen Abwehrsturm. Irgendwie nervt es auch, dass man sagt, schon wieder Sachsen. Aber da wehre ich mich: Das liegt nicht an Sachsen, sondern an denen, die es derzeit und schon lange regieren. Wie  Antje Hermenau sagte: Die beste Imagekampagne für Sachsen wäre eine neue Regierung.