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Wie entwickeln wir eine sinnvolle und nachhaltige SM-Strategie?

Am 30. Februar 2016 fand in Dresden der erste Social Media-Fachtag statt, ökumenisch veranstaltet von Landeskirche und Bistum. Ich habe zwei mal den Workshop „Wie entwickeln wir für Social Media eine sinnvolle und nachhaltige Strategie?“ gehalten. Hier die Stichworte zu meinem Input:

  1. Ziel für SM-Aktivität beschreiben
  2. (Erfahrungen als Nutzer sammeln)
  3. Mit Mut! Aufmerksamkeit wird ständig neu verteilt
  4. Mit Vertrauen! Spreizung der Mediennutzung – wir werden nicht alle überzeugen
  5. Profil klären: Wer bin ich? was habe ich zu sagen? was bewegt meine Zielgruppe? Lustiges, rührendes, empörendes (Facebook-Person oder Seite?)
  6. Zeitbudget klären (Arbeit /Freizeit)
  7. Infrastruktur klären: Dienst-Mailadresse?! Dienst-Smartphone?
  8. Vom Content her denken: 1 Text/Foto (Inhalt) über verschiedene Kanäle (Website als Standbein, Social Media als Spielbein)
  9. Veranstaltungswerbung kommt an Facebook nicht vorbei
  10. Crossmedial arbeiten – auch mit Gebäuden, Kleidung, Bildern, Gegenständen: Beispiel prominente Kirchen als „Ort“ bei Facebook
  11. Gelegenheit zum Teilen, Folgen, Kommentieren geben – selber teilen
  12. Im öffentlichen Leben, im Umfeld meiner Resonanzgruppe auftauchen
  13. Unterstützung holen – Technik, Bilder, Videos

Nicht vergessen: Social Media ist ein Tool aus dem Werkzeugkasten, eine übergreifende ÖA-Strategie und z. B. prägnante Texte und Bilder bleiben wichtig.

Das Buch

BuchtitelJetzt will ich den Abschluss einer Langzeit-Aufgabe anzeigen: das Buch ist erschienen, an dem ich beteiligt bin. Etwas ganz Schönes, was nur durch den Wechsel in Wohnort und Aufgabenportfolio möglich war.

Ich kenne Irene aus meiner Gemeinde. Sie hatte mich gefragt, ob ich ihr helfen könnte, als sie bei einem Frauenfrühstück aus ihrem Leben erzählt hatte und wieder hörte:“Das musst du aufschreiben!“

Ich habe mir die CD von ihrem Bericht angehört, wir haben uns getroffen, und ich war fasziniert von den vielen interessanten Aspekten in ihrem bisherigen Leben:

Die gebürtige Münchnerin Irene ist ein Kind der Nachkriegszeit. Nach ihrer Glaubensentscheidung erkämpft sie sich von den Eltern die Berufsausbildung als Krankenschwester. Danach stehen ihr alle Türen offen. Sie entscheidet sich für ein neuartiges Behandlungszentrum für MS-Kranke, das eine spontan durch Gebet geheilte Frau aus dem Ruhrgebiet zusammen mit der bayerischen Inneren Mission aufbaut. Nach wenigen Berufsjahren wird sie hier Pflegedienstleiterin. Sie lernt ihren Mann kennen, der dort seinen Zivildienst ableistet, und geht zwischendurch für ein halbes Jahr auf eine Missionsstation in Brasilien.

1975 wird dem Paar ein behinderter Sohn mit Down-Syndrom und Epilepsie geboren, der bis heute bei den Eltern lebt. Von der Entbindung an kämpft Irene Günther gegen die Abwertung behinderter Menschen, für die Wahrnehmung des Reichtums, den ihr Sohn mitbringt. Als Mutter von drei Kindern und Pflegekindern entwickelt sie erfolgreich die ersten Vollwertkochkurse. Sie sind aktiv in einer Freikirche – bis sie diese in einer Krise verlassen müssen. Mit anderen bauen sie eine neue Gemeinde auf. Die unterstützt sie auch, als sie 1992 Beruf und Wohnung kündigen, auf die Jüngerschaftsschule von Jugend mit einer Mission gehen und dann in die neuen Bundesländer, nach Sachsen, wo sie mit anderen ein Familienschulungszentrum aufbauen.

BuchkartonMit den Töchtern und dem behinderten Sohn leben sie nun in einer fremden Welt, ohne festes Einkommen und erleben viele Wunder. Dann wird der Sohn kränker, die Pflege zusammen mit aller Arbeitslast führt bei den Eltern zum Burnout. Sie finden hier in Chemnitz eine neue Aufgabe. Aus den seelsorgerlichen Gesprächen im Wohnzimmer wird eine professionelle Beratungsarbeit, für die Irene die IGNIS-Ausbildung machen kann.

Irene hat viel erlebt, und sie kann es beschreiben. Sie sieht die lustige Seite und ist ehrlich bei Fehlschlägen.
Im Grunde hat sie das Buch verfasst, ich habe es nur auf den Weg gebracht. Die Themensammlung, den Verlag  überzeugen, den Text überarbeiten, den Hauptkontakt zur Lektorin, das waren meine Aufgaben.

Jetzt werbe ich noch etwas dafür. Irene lässt sich einladen zu Vorträgen und Frauenfrühstücken in Gemeinden, so weit es ihre Zeit zulässt. Und ich bin gespannt, wie es mit der Familie weiter geht.

 

Neues zu: Wer findet das Huhn?

Es tut sich was: Die Guten Botschafter sind aus dem Weihnachtsurlaub zurück und suchen mit. https://www.facebook.com/gutebotschafter

Sie haben ein Bild geschickt, wie es aussieht: Huhn

Wer findet das Huhn?

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Kennt Ihr das? Da will man zu Weihnachten etwas basteln. Letztes Jahr hatte ich schon einen Blogbeitrag „Weihnachten ist Kommunikation“ gebastelt, statt Karten und Geschenke.

plakat_bananeWas sollte es dies Jahr sein? Die Idee greift auf meine Vergangenheit zurück. „Brot für die Welt“ kennt fast jeder. Zu meinen Öffentlichkeits- und Pressesprecherinnenaufgaben gehörte auch, alle Jahre wieder unsere evangelische Spendenaktion möglichst breit in die Hamburger Öffentlichkeitsarbeit zu bringen. Gemeinsam mit den kreativen KollegInnen machte das viel Freude.

plakat_neue_landnahmeGestöhnt habe ich bzw. haben wir aber über die allgemeinen Bilder und Slogans in Kirchensprache – am liebsten davon gleich mehrere. Wenn jedes Jahr am 1. Advent eine neue Aktion eröffnet wurde, gut, aber wenn dabei der Wiedererkennungseffekt auf der Strecke blieb und kein Mensch verstand und behalten konnte, was nun die eine Kampagne von der anderen unterschied … . Dass „Brot für die Welt“ nicht mit traurigen Patenkindern warb, sondern auch politische Inhalte transportieren wollte, das verteidigten wir ja gern. Und dass man nicht für zehn Säcke Reis spenden konnte, sondern für komplexe Projekte. Aber die Vermittlung hätten wir gern einfacher, markanter gestaltet. Das konnten wir als einer von über 20 Landesverbänden der Diakonie nur eingeschränkt beeinflussen.

Und dann tauchte eine neue Agentur auf, die mit ihren Entwürfen sowohl die Insider in der Zentrale von „Brot“ wie auch die Außenwelt überzeugte. Ich kannte sie noch als „Buttgereit und Heidenreich“. Kurz vor meinem Wechsel nach Hamburg in der Phase „Was mach‘ ich denn jetzt mal Neues?“ hatte ich sie kontaktiert, weil ich mitbekommen hatte, dass da kreative, unkonventionelle Christen etwas gegründet haben. Sie haben mich eingeladen, wir haben uns darüber unterhalten, wie wichtig gute Konzepte sind, dass der Kunde oft mit etwas ganz anderem zufrieden ist, als er es sich vorher vorgestellt hatte. Ich war nicht wirklich auf Stellensuche in Haltern am See und sie nicht wirklich auf Personalsuche, es war ein Kennenlernen. Und seitdem verfolgte ich froh, was da an Gutem in die Welt gesetzt wurde. Die Auszeichnungen für die Plakate sprechen für sich und auch die Menge an kostenlosen Plakatwänden, welche „Brot für die Welt“ dadurch bekommen hat.

bfdw_wenige_ist_leerr„Weniger ist leer“ zum Beispiel, was die Agentur als Beispiel für „Positionierungsdesign“ beschreibt. Genau! sage ich,  das war die Aufgabe: „Wie kann das Anliegen der Aktion „Brot für die Welt“ auf allgemeinen Anschlagflächen so dargestellt werden, dass Aufmerksamkeit erzeugt wird, Spenden generiert werden und gleichzeitig langfristig auf das Markenkonto dieser weit über kirchliche Kreise hinaus bekannten Marke eingezahlt wird?“ Langfristig! Markenkonto!

Dies Jahr war ich extra am 1. Advent bei der landesweiten Eröffnung der 55. Aktion, diesmal in Chemnitz. Ich verlinke den meines Wissens einzigen Artikel darüber und muss schmunzeln: das abgebildete Plakat mit der Stolle ist sächsisch. Wenn es so eine gute Idee wie den „Stollenpfennig“ gibt, dann verdrängt die als Bildmotiv das offizielle Plakat. Und ich finde das durchaus berechtigt.

Das neue Kampagnenthema „Land zum Leben – Grund zur Hoffnung“ kam im Gottesdienst zur Sprache und tauchte auf Plakaten im Stadtbild auf. Um es konkret zu sagen, der Slogan ist eher Kirchensprache: es geht um Landraub, dass Bauern verdrängt werden, weil bfdw_aktionsplakat_2014irgendwelche Investoren den Grund gekauft haben, den sie bebauen. Deutlich gesagt: „Brot für die Welt“ können die Bauern selbst anbauen, wenn sie juristisch-politisch unterstützt werden. Und dafür sollen wir spenden. Wow, ziemlich weit weg von Aktionen, bei denen Kinder ihr Spielzeug, was langweilig geworden ist, für arme Kinder in ein Paket packen.*

Besonders begeisterte mich das Huhn, der „gemeine europäischen Zugvogel“. Da haben die Guten Botschafter versucht, den Zusammenhang, wie unsere Massengeflügelhaltung und die Bevorzugung von Brust, Keulen und eventuell noch Fügeln („Chicken wings“) dafür sorgen, dass der Rest des Tieres exportiert wird und in Afrika den Markt kaputt macht, in ein Plakat zu packen. Was ich in einem Bandwurmsatz quetsche, ist ein Hingucker auf City-light-Flächen.

Ich wollte mit diesem Bild meinen Beitrag anfangen und dann nur erzählen, wie toll das heute bei „Brot für die Welt“ ist. Und dadurch dem Thema weiter zur Verbreitung helfen, denn dieser ästhetische Teller mit Reis wird vielleicht doch lieber plakatiert als ein nacktes Hähnchen.

Doch wie das beim Basteln ist, wenn man nicht rechtzeitig alles Material besorgt hat: Das Bild findet sich nirgendwo im Netz. Die Pressesprecherin von „Brot für die Welt“ hat mir am Freitag Nachmittag zwar Links zu den anderen guten Motiven besorgt, aber nirgendwo ist die ganze neue Kampagne zu sehen. Die helfen könnten, sind im wohlverdienten Weihnachtsurlaub.

Wir basteln das Geschenk gemeinsam

Also, was ich basteln wollte, wird nicht fertig, was tun? Dann schenke ich einen Gutschein! Oder schenke, dass wir es gemeinsam fertig basteln. Zum Beispiel, indem wir überall nach dem Plakat Ausschau halten und es selbst fotografieren und posten oder schicken. Mal sehen, wie schnell das geht.

Zweite Alternative zum Gebastelten ist das Geldgeschenk. Das geht nicht immer, aber hier auf jeden Fall. (Merkt Ihr: das sächsische Konto. Es sollen schon norddeutsche Besserwisserinnen gesagt haben, ein zentrales Konto tue es doch auch, aber das war gestern … . Bei Spenden bis 200 Euro reicht der Kontoausszug für die Spendenquittung, wenn man es im Verwendungszweck vermerkt, keine Quittung und Post zu wollen, halten die sich dran.)

Und als kleinen Geschenkanhänger noch dieser Link, der mir neulich ein weiteres Mal Gefühl von Fortschritt gab: Bettina Gaus schrieb in der taz nach dem Taifun, dass man ohne Zweckbindung spenden solle, und am besten an Organisationen, die Soforthilfe mit langfristiger Aufbauhilfe verbinden. Wenn sich das Wissen verbreitet, dann ist viel geholfen.

Ich wünsche allen frohe und gesegnete Weihnachten!

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* Anmerkung: Pädagogisch ist das wichtig, dass Kinder abgeben lernen. Und natürlich freuen sich Kinder überall über Geschenkpäckchen. Das kann auch mal von Leuten stammen, die man nicht ganz so persönlich kennt. ABER es ist viel besser, wenn ihre Eltern oder andere Bezugspersonen in die Lage versetzt werden, ihnen etwas nach ihrer eigenen Tradition und ihren Bedürfnissen zu schenken. Spendet für Projekte, die Arbeit schaffen, und für Kindergärten und Schulen! Sonst lernen die Empfänger der Päckchen nur falsche Dinge über das reiche Deutschland. Man fühlt sich vielleicht generöser, wenn man etwas einpackt, als wenn man eine Summe überweist. Doch da gilt für mich der Satz des Apostels Paulus „Was hast du, was du nicht empfangen hast?“ Dass ich habe und abgeben kann, kommt von Gott, es gehört mir nicht.

 

Diakonie & Kirche

Als Christin habe ich mich schon im Studium für Medien und Kommunikation im Umfeld der Kirche interessiert: für Kirchenzeitungen geschrieben, meine Magisterarbeit über den evangelischen Gemeindebrief verfasst und mein Politik-Examen über die kirchliche Medienpolitik an der Schwelle zum Privatrundfunk absolviert.

Dann kam ich nach Bethel und entdeckte die Diakonie. Und alles, was ich in dem weltweit bekannten Sozialunternehmen noch nicht gelernt hatte, begegnete mir als Pressesprecherin und Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Diakonie in der Weltstadt Hamburg.

Klar, dass ich bei Diakonie und Kirche firm bin. Nicht nur im evangelischen Bereich: Ich „spreche“ auch katholisch, freikirchlich, orthodox.