Wollen Sie eine Revolution ohne Lachen machen?

Danke, Agentur Punkt191, für diese Aktion. Und besonders für das Beuys-Zitat s.o.

Da gibt’s eine ordentliche Summe Geld, da gibt’s eine prominente Fläche, da gibt’s etwas zu gestalten, und was macht die Stadt? 60.000 Euro für diese Stämme nach Berlin vergeben. (Ich habe wirklich nichts gegen solche Kunst, aber irgend eine Hilfe zum Verständnis hätte man den Chemnitzerinnen und Chemnitzer schon geben müssen. Vor den Kunstsammlungen steht auch eine besondere Bank, aber darauf kann man sitzen, darüber regt sich niemand auf.)

Ich würde die Reichweite von einem Stern-TV-Beitrag nicht so hoch ansiedeln, aber klar, dass das nicht unkommentiert bleibt. Und bei denen, die nicht lachen, eher die Politikverdrossenheit fördert als die Revolution.

Es zeigt mir, wie wichtig die Arbeit unseres Branchenverbandes Kreatives Chemnitz ist: Welche Standards gibt es für solche Aufträge im öffentlichen Raum? Die Kommunikation muss mitbedacht werden.

Dialog ist, wenn … (1)

Gestern habe ich am Dialogforum teilgenommen, welches das Land Sachsen das erste Mal in Chemnitz stattfinden ließ.

Ich habe mich angemeldet, trotz meiner Skepsis gegenüber diesen Veranstaltungen. Aber wenn ich sowieso zwangsläufig als Mensch in meiner neuen Heimat, als Christin und Grüne mit dem Thema Asyl und Pegida zu tun habe, dann gehe ich hin. Als Journalistin war ich natürlich neugierig, das selbst zu erleben. (Die normalen Medienvertreter durften bei den Gesprächen an den Tischen nicht lauschen, da war ich im Vorteil.)

Meine Hauptkritik, die sich bestätigte: Wenn die Leute als ‚Pegida‘ auf die Straße gehen, dann wollen einige ihre Anliegen vorbringen und Gehör finden. Vielleicht gehörten die Leute am ersten Tisch dazu: ein Pro-Chemnitz-Vertreter und zwei andere aus dem Pegida-Lager, die zufällig per Los zusammen an dem Tisch gelandet waren. Ansprechpartner war der AfD-Fraktionsvorsitzender Wurlitzer aus dem Landtag. Der war von jemand anderem zwei Stunden zuvor gebeten worden, den Platz zu übernehmen. Er sagte fast gar nichts. Die anderen hatten ihre Sammlungen mit kriminellen Taten von Asylbewerbern dabei und propagierten Abschiebung als Lösung. Wir sollten laut Anordnung der Veranstalter auf großen Papieren notieren, was uns gemeinsam bewegt. Ich versuchte es: Dass die Erde uns allen gemeinsam gegeben ist? Das war der Mehrheit am Tisch fremd. Eine Frau vom Flüchtlingsrat und ich haben uns bemüht, Informationen zum Thema einzuschleusen. Zum Beispiel, dass auch die Flüchtlinge und andere Ausländer ein Sicherheitsproblem haben mit Übergriffen – von denen die anderen noch nie etwas gehört hatten.

Angeblich hatten sie ihre Klagen schon anderer Stelle vorgebracht ohne Effekt. Überhaupt würde immer alles verheimlicht. „Aber ich habe einen Freund bei der Polizei, der Feuerwehr, der Ausländerbehörde, mein Schwiegervater war der Herausgeber der Zeitung …“ hieß es dann als Quelle der Behauptungen. Merke: In einer Demokratie lassen sich Probleme nicht totschweigen, auch in Sachsen nicht. Sie müssen transparent angegangen werden.

1. Die Leute müssen mit ihren Problemen Gehör finden. Dazu brauchen Verwaltungsleute Mediatoren, Helfer, die sie bei Bedarf dazuziehen können.

2. Wenn Entscheidungen auch gegen den Bürgerwillen getroffen werden, muss um so sorgfältiger kommuniziert werden, die Befürworter müssen gesammelt werden.

Krasses Beispiel am zweiten Tisch: Eine Frauenärztin hört an ihrem Ort von den Gerüchten eines Asylheims mit 150 Plätzen, von den Ängsten und sich entwickelnden rechten Einstellungen. Sie schreiben zu viert an den Landrat, bitten um Informationen, schlagen Alternativen zur zentralen Unterbringung vor. Und die Antwort: Keine.

Diese Frau ging nun nicht wie die Leute aus Perba zur Pegida. Sie meldete sich zum Dialogforum an und wie der Zufall es wollte: Sie saß Ministerpräsident Tillich gegenüber.

OK, wenn man zufällig eine Stunde mit Tillich reden kann, das Problem dieses Landkreises vorbringen, dann hat sich die Einladung gelohnt. Jetzt hoffen wir alle, dass die Inititative dieser Ärztin und der anderen aus ihrem Umfeld Erfolg hat. Ich habe unter anderem auf mehr Transparenz für die Bürger, etwa durch Tage der Offenen Tür, in der Erstaufnahme Ebersdorf gedrängt. Konkrete Zusagen gab es allerdings nicht.

Aber ob so ein Gespräch möglich ist, darf doch nicht dem Zufall überlassen bleiben! Sachsen hat nicht gelernt, die Bürger zur Lösung der Probleme einzubeziehen. Das rächt sich jetzt. Und da ist so ein Dialogforum eine teure Alibiveranstaltung.

Es wäre schon anders, wenn für das Dialogforum  wenigstens im Vorfeld die Themen gesammelt und Experten zugeordnet worden wären. Das zweite Thema Demokratie führte übrigens dazu, dass Bürger ihre Anliegen wegen Wassergebühren, Biokläranlagen, medizinischen Behandlungsfehlern … vorbrachten. Die CDU-Landtagsabgeordnete am Tisch habe daraus eine Bürgersprechstunde gemacht, wurde mir erzählt, aber für die anderen war es unergiebig.

Der letzte Teil in Form einer Fish-Bowl-Diskussion konnte nicht funktionieren, weil die „Fische“ am Rande eines großen akustisch lauten Saals auf einem Podium standen. Vorher überlegt? Auch Tillich hat lieber weiter geplaudert als zuzuhören.

Ich habe gelernt: Was ist ein Gespräch? Was man an den Ergebnissen misst. Was ist ein Dialog? Wo das Reden Selbstzweck ist. Und ein Dialogforum? Wo viele wichtige und dafür bezahlte Leute dabei sind. Und die unbezahlten Bürger sich fragen, was es ihnen gebracht hat.

Fazit: Mit einem soliden Kommunikationskonzept ließe sich die Herausforderung bewältigen, den Flüchtlingen zu helfen. Und Sachsen ein Stück vitaler, bunter und zukunftsfähiger zu gestalten. Dies #dialogmiteinder ist dazu der nullte Schritt. Vielleicht folgt ein erster.

 

 

#Pflegetag

Heute mal ganz kurz, in 140 Zeichen +. Ich arbeite mich langsam zu meinem Lieblingsthema vor, jedoch lege ich die meisten Kongresseinladungen noch sorgsam ab. Der 7. Mai in Leipzig und der 11. Deutsche Seniorentag in Frankfurt sind ziemlich fest im Kalender, den 2. Pflegetag bekam ich nur über Twitter mit.

Aber was heißt nur. Immerhin und das massiv. Ohne dass ich schon eine Strategie umsetze, haben sich so viele Twitterer aus der Pflege in meiner TL gesammelt, dass ich das Ereignis nicht übersehen konnte.

Und jetzt erlebe ich einen Pflege-Kongress, den ich so über Twitter verfolgen kann wie … zum Beispiel Grünen-Parteitage. Gestern trendete #Pflegetag sogar! Es gibt ja das Wort fremdschämen, ich fühlte Fremdstolz.

So möge es weitergehen, um die Poltik und die Medien zu erreichen, ist Twitter ja ein sehr gutes Medium. @Jensspahn zum Beispiel hat von mir schon in der letzten Legislatur entsprechende Tweets bekommen.

Pflegetag

 

 

Zu Weihnachten und zum Jahreswechsel

Gerade hörte ich die Zahl, auf die ich schon gewartet hatte: + 18 % im Onlinehandel im Weihnachtsgeschäft. Und in welchem Zusammenhang? Klar, bei einem der zahllosen Berichte über den Streik bei Amazon. Das sind Ereignisse, die in das übliche Berichtsschema passen.

Der große Trend, welche Arbeitsplätze es überhaupt noch geben wird, ist noch nicht auf der Agenda angekommen. Die Städte bildeteten sich in der Geschichte um einen Marktplatz herum. Werden sich künftige Generationen um Amazon-Versand-Center herum ansiedeln?

Weihnachtsmarkt-Faltblatt

Aus dem Weihnachtsmarkt-Faltblatt

Nein, das war nur ein Scherz, dazu habe ich hier schon mehr und fundierter geschrieben. Zu Weihnachten wird das nur besonders aktuell. Als ich gestern abend bei einem kleinen Chemnitzer Bloggertreffen #mytässchen auf unserem wunderschönen Weihnachtsmarkt war, fiel mir wieder auf, wie die Buden, wo es nichts zu essen und zu trinken gibt, wie die Dekoration des Festes wirkten.

Das ist nur eine von vielen Veränderungen, die mit Kommunikation zu tun haben – man versucht ja, über Werbung und „Erlebniswelten“ die Käufer in den stationären Handel zu locken – und doch mehr Wurzeln und Auswirkungen haben.

Wie gut, dass ich in diesem Bereich arbeiten darf. Jetzt feiern wir Weihnachten, was im Kern ein von Gott geschenktes Fest ist und in allen Veränderungen immer Freude bieten wird. Das wünsche ich allen!

Und im neuen Jahr 2015 verfolgen wir die weltweiten Umwälzungen und ihre Auswirkungen  bis nach Chemnitz und überallhin. Dafür hoffe ich auf Offenheit, etwas zu erkennen und die Bereitschaft, es zu tun.

 

 

 

Erste Bloggerin im Pflegeheim

Ej, da gibt es wirklich eine Bloggerin aus einem Pflegeheim, lese ich. Ich behaupte mal, die erste. Als wir damals 2009 bei evangelisch.de mit dem Thema „Wenn die Eltern älter werden“ begonnen haben, hatten wir auch einen bloggenden Pflegeschüler gefunden, der regelmäßig Beiträge verfasst hat. Aber einen Blog einer Bewohnerin gab und gibt es noch nicht. Ich habe oft gesucht und gerade bei Google noch einmal geschaut, sie steht schon auf der zweiten Seite.

Allerdings ist sie noch keine 50 Jahr alt und wegen ihrer MS und letztlich wegen ungenügender angemessener Versorgungsstrukturen im Pflegeheim. Warum gibt es keine WG-Struktur für Leute ihres Alters?

Am 7. Mai 2013 begann sie:  Bevor ich anfange, Geschichten aus dem Altenheim zu erzählen, will ich mich kurz vorstellen:

Seit 1994 bin ich, im Alter von damals 27 Jahren, an Multipler Sklerose erkrankt. Die offizielle Diagnose erhielt ich ein Dreivierteljahr später. Seitdem habe ich unzählige Schübe gehabt, die sich jedoch anfangs immer komplett zurück bildeten. Seit 2002 bin ich Berufsunfähigkeitsrentnerin, erst befristet, jetzt unbefristet. Stück für Stück löste sich meine damalige Wirklichkeit auf. Aufgabe des Berufs, Aufgabe des geliebten Sports – Karate – ,  Aufgabe des einen Musikinstruments – Waldhorn – , Aufgabe verschiedener Posten bei der DMSG-Krefeld, Aufgabe der eigenen Wohnung, Aufgabe des eigenen Autos und des selbst Auto-Fahrens, Aufgabe des zweiten Musikinstruments – Querflöte – , …

Doch nun ist es Zeit, dem Wort “Aufgabe” eine andere Bedeutug zuzumessen:

Ich suchte eine neue, kreative Aufgabe, die mir jetzt noch möglich war. Die starte ich jetzt hier mit diesem Blog!

– Und die Aufgabe löst sie mit Bravour. Erst mal Hochachtung, dass sie überhaupt auf diese Weise das beste aus ihrem Aufenthalt macht. Und nicht nur im Bloggen, nein, sie bringt sich mit ihrer Persönlichkeit und ihren geistigen Fähigkeiten auch sonst intensiv in das Heim ein. Sie beobachtet und beschreibt das Heimleben liebevoll-kritisch. Ich werde den Blog „Meine Erlebnisse im Altenheim“ intensiv verfolgen.

 

Archiv

„Wir haben unsere Website umgestellt“ …. ja, das Internet ist ein dynamisches Medium. Einmal eingepflegte Links funktionieren oft nicht mehr. Da heißt es suchen und neu verlinken. Darf ich sagen, dass diese langweilige Arbeit durch das Wiederlesen eigener Texte verschönert wird? 😉

Aber jetzt heißt es erst einmal, neue Beiträge zu verfassen. Dann kommt die Archivpflege wieder an die Reihe. Bitte Nachsicht, wenn nicht alles auf Klick funkioniert.

Wochenendspiegel: Gute Wünsche zum Neustart

Wenn ich so die Branchenmagazine lese, Print-Krise überall, da erschien es mir wie eine Randnotiz, als ich im Juli vom Aus des Wochenspiegel erfahren hatte. Schade, aber unausweichlich. Doch heute morgen bekam ich eine Mail mit einer Frage, die sich auf einen Artikel im „Wochenendspiegel“ bezog.

Was ist das denn, hat der Schreiber sich vertippt? Aber den Wochenspiegel gibt es doch nicht mehr?

Ich habe kurz im Netz gesucht, aber nichts gefunden. (Das war eine Stunde, bevor Kollege Starowy im Flurfunk darüber geschrieben hatte.) Also beim Rausgehen auf den Treppenstufen geguckt, und wirklich: Da liegen zwei Zeitungen mit dem Titel vor der Tür. Die Ähnlichkeit mit dem Wochenspiegel ist unverkennbar. Passt zu dem Projekt, dass nichts im Netz veröffentlicht wird, bevor nicht alle 85.510 Exemplare aus der Berliner Druckerei verteilt sind.

Unter dem Titel „Rauschen im Blätterwald“ lese ich: …“dass sich eine engagierte Gruppe ehemaliger Wochenspiegel-Mitarbeiter zusammen geschlossen hat, um zu beweisen, dass auch in einer sich wandelnden Medienlandschaft Platz für eine zweite Wochenzeitung ist – neben den derzeitigen Möchtegernmonopolisten ….“ kein Seitenhieb, schon ein Schlag auf die Freie Presse, zu welcher auch das Anzeigenblatt Blick gehört.

Richtig befreiend, solche kritischen Töne. Auch dass der offizielle Grund für das Aus, der Mindestlohn für Zusteller, „fadenscheinig“ genannt wird, weil der Mindestlohn erst in voller Höhe ab 2017 gelte.

Also Hut ab! Diesen Mut zu haben, das ist wirklich frischer Wind im Chemnitzer Blätterwald. Da schließe ich mich den guten Wünschen zum Neustart gern an. Das wichtigste ist die Medienvielfalt.

Aber auch dieses „wir lassen uns nicht unterkriegen, wir machen es ganz anders“ fasziniert mich.  Zum Beispiel dass man auch über den Geschäftsführer Olaf Haubold praktisch nichts im Netz findet. Ein Detail entdecke ich auf der Seite seiner Agentur: die haben mit dieser sehr guten Broschüre über ein vor dem Zusammenbruch gerettes Waldlokal zu tun. Die Broschüre habe ich vor fünf Jahren gekauft und freue mich seitdem, wie das Lokal floriert. Das ist doch schon ein gutes Omen für den Wochenendspiegel!

 

 

 

Die Läden im Tietz und anderswo

Ich will hier mit Datum einen „Ich habe es ja gesagt“-Beitrag verfassen. Nein, wirklich nicht aus Besserwisserei, sondern weil die Lage mich bekümmert und sie beschreiben besser ist als nichts.

Es geht um unsere Geschäftsstraßen. Vielleicht wird man einmal gar nicht mehr wissen, was das Wort heute noch bedeutet. So wie jemand vor einigen Jahren bei der Datenautobahn ins Schleudern geriet. Die Nachfolgerin bemerkte immerhin, dass da das Neuland liegt.

Ich lebe in einem Gründerzeitviertel. Warum sind hier überall leere Schaufenster? Das weiß man heute schon nicht mehr: Wie das Einkaufen für die dichte Bevölkerung ohne Kühlschrank und Auto sich zur Zeit des Baus der Häuser gestaltete. Mit einem Verhältnis von Warenpreis und Kaufmannslohn, wo Bedienung selbstverständlich war. Also viele kleine Läden einst, Einkaufszentren, Supermärkte, Großeinkauf in den Kofferraum heute.

Und da mein Viertel diese Entwicklung von der DDR-Zeit bis heute im Turbotempo erlebte und auch viele Wohnungen leerstehen, haben sich außer Versicherungen, Beauty-Shops und einigen anderen Dienstleistern kaum Nachnutzer gefunden. Gut, es gibt noch wenige Bäcker, einen Blumenladen, Fleischer, Büroartikel und Zeitungsladen, Optiker, Hörgeräte, Arbeitskleidung und -schuhe, eine Postagentur, Imbisse … . Ein paar Kreative, die nähen oder töpfern, haben Raum gemietet, vorrangig als Werkstatt / Büro mit angeschlossenem Laden. In einen neu nachgefolgten Fotoladen mit Digitalkamerareinigung gehe ich, wenn ich irgend etwas aus dem Spektrum brauche. Und für alles mit PC in den PC-Laden mit Werkstatt.  Wenn der Toner alle ist, in den „Tinten-Toner-Tankstation“, und wenn ich Korn brauche, in den veganen Laden mit Imbiss. Aber reicht meine Nachfrage, dass der Laden brummt?

Ja, hier im Stadtteil ist es schwierig, heißt es dann, die Randlage, die Kaufkraft nicht so hoch. Aber jetzt wurden auch aus der Innenstadt erneut Sorgen von Händlern laut. Im Tietz, dem Kulturkaufhaus, entstand in einem top sanierten 100-jährigen Warenhaus eine Mischung von Läden und der Ausstellung des versteinerten Waldes als städtischer Attraktion im Erdgeschoss und Museen, Stadtbibliothek und Volkshochschule in den oberen Etagen.

Ein Informationstresen verkaufte Karten, nein, nicht der Tresen, Menschen verkauften und informierten. Wunderbar, nur hat die GGG, die ehemalige städtische Gebäudewirtschaft, Mieten, welche den städtischen Institutionen auf die Dauer den Lebensatem kappen, weil sie die Zuschüsse immer stärker aufzehren. Der Tresen ist seit einem halben Jahr geschlossen, die Laufkundschaft nimmt ab. Die Geschäftsleute haben nun einen Brief geschrieben, beklagen Umsatzrückgang, aber die GGG will ihnen bei der Miete nicht entgegenkommen. Selbst wenn sie die Schaufenster leer stehenden Läden nutzen wollen, müssen sie bezahlen.

Und ich sage: Bald wird man diejenigen bezahlen müssen, welche mit ihrem direkten Einzelhandelsengagement die Innenstadt beleben.

Denn natürlich liegt der Umsatzrückgang nicht nur am geschlossenen Museumstresen. Wir haben sowieso sehr viel Verkaufsfläche pro Kopf. Wenn ein neuer Lebensmittelmarkt eröffnet, dann hat er so viele Nonfood-Zusatzangebote, ständig oder durch die Sonderangebotsschleife, dass der Bedarf an Waren für alle Lebenslagen fast gedeckt ist. Und ganz banal: Die Menschen werden älter, irgendwann haben sie die Dinge schon. Klar kann man fleißig neue Mode kaufen und die alte in eine der hübsch bunten Container werfen, nötig wäre es nicht. Was sind noch Wünsche zu Weihnachten? Immer ausgefeiltere Elektronik macht wohl den Hauptteil des Eingewickelten unterm Baum aus.

Tja, und dann passiert das, was der Hauptgeschäftsführer des Handelsverband Deutschland Stefan Gentz vor zwei Jahren in einem Interview sagte: „Derselbe Kunde, der eine schöne Innenstadt haben will, der ins Theater, ins Museum, ins Café geht, der gerne einkauft und der sich auch sonntags mit Freunden dort trifft, sitzt abends oder am Wochenende auf dem Sofa und bestellt das, was er früher in der Innenstadt gekauft hat.“ Die Steigerungsraten des Onlinehandels sprechen für sich.

Das Interview wurde für eine Broschüre des Bundesministeriums geführt, das sowohl für Bau wie für Verkehr und Stadtentwicklung zuständig ist. Das baut die Straßen zu den Zentren auf der grünen Wiese… . Eine sehr gute Broschüre über einen Wettbewerb „Engagement des Einzelhandels für attrative Stadtzentren“. Die inhabergeführten Geschäfte, vor allem in der eigenen Immobilie, welche nicht einfach umziehen können, engagieren sich am meisten. Weil ich solche Leute hier in meinem Viertel kenne, wie sie jeden Tag von früh bis spät im Laden stehen und in der knappen Freizeit noch für’s Gemeinwohl aktiv sind, haben mich die Beispiele besonders bewegt.

Wirklich gute Erkenntnisse und Tipps in dem Heft. Aber es ändert nichts an der Zukunftsaussicht: Bald wird man die Belebung von Straßen mit Geschäften subventionieren müssen, wenn man sie will. Ist der Vergleich mit der Haushaltsabgabe für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ganz schief? Egal ob man in der City einkauft, man muss zahlen dafür, dass sie da ist.

Den Onlinehandel „muss der stationäre Handel als Herausforderung begreifen“, sagt Herr Gentz gleich im nächsten Satz und tue dies auch, viele nutzten schon das Internet als zusätzlichen Vertriebsweg. Daraufhin sagt der zweite Interviewpartner, Ulrich Hatzfeldt aus dem Ministerium etwas von Rationalisierungspotentialen, wobei andere Vertriebsformen größere Chancen als der stationäre Handel hätten. Im Klartext: Warum soll ich im Onlineshop des kleinen Einzelhändlers bestellen, wenn andere Quellen nur einen Klick weiter und vermutlich billiger sind?

Das Interview dreht sich dann noch ein paar Takte in Zukunftsvisionen weiter, ohne die bittere Wahrheit auszusprechen. Ja, wenn es nur noch Elektroautos gibt und laute Straßen dann nicht mehr laut sind, vielleicht … .

Wenn nicht genügend Leute in ihrer schönen Innenstadt einkaufen, obwohl sie die Besorgungen billiger und bequemer machen können, dann gibt es die „Geschäftsstraße“ nicht mehr. Auf die Dauer müssten zum Beispiel alle Ämter und Dienststellen mit Bürgerverkehr in die Erdgeschosse ziehen.

Doch jetzt hoffe ich, dass der GGG beigebracht wird, die Ladenmieten zu senken, damit dieser Prozess sich noch etwas hinzieht. Der Schaden durch leere Schaufenster ist nicht wettzumachen.

Und wie ging die Wahl aus?

„Guten Morgen Frau Weyandt,
es geht manchmal sehr ungerecht zu – vermisse Sie sehr in der grünen Fraktion im Stadtrat.
Wahrscheinlich war es äußerst knapp….. Leider ist somit der Sonnenberg ziemlich unter repräsentiert, zumindest qualitativ …“

Ist das nicht eine nette Mail heute von einem, dessen Stimme ich mir gar nicht sicher war? Den ich eher im Sympathisantenkreis einer anderen Partei vermuten konnte?

Warum bin ich nicht drin? Die Einzelergebnisse erfahren wir erst später, wer auf der Liste wie viele Stimmen bekomen hat. Aber fest steht: Wir haben im Wahlkreis Sonnenberg, Hilbersdorf, Ebersdorf, Euba trotz stärkerer Konkurrenz als 2009 etwas dazu gewonnen.
Im gesamten Stadtgebiet haben wir 0,3 % gewonnen, und das reichte zur freudigen Überraschung am späten Abend für den 5. Sitz. Von der Personenzahl haben wir also ein Plus von 25 %!
Da aber von der absoluten Stimmenzahl her der ländlicher geprägte Wahlkreis eines anderen Kandidaten vorne lag, bekommt er den Platz und nicht ich. Damit bin ich trotzdem sehr zufrieden. Denn er kandidierte schon im zweiten Anlauf und hat, seit ich ihn kenne, eine super Arbeit gemacht. Und zwar auch in meinem Stadtteil, in dem er sein zweites Standbein hat. Wir werden also  gut zusammenarbeiten.
Der Wahlkampf hat insgesamt viel Freude gemacht: Themen aufgreifen, mit Leuten reden, Kontakte knüpfen, argumentieren und Verständnis wecken. Mit sehr guter Resonanz haben wir eine Gästetour mit Asylbewerbern als Pilotprojekt durchgeführt – als ein Baustein auf dem Weg zu dem dringend notwendigen gastfreundlicheren Umgang mit den Asylbewerbern in meinem Wahlkreis. Wir waren ein gutes Team auf meiner Liste und mit anderen Unterstützern. Das werden wir sicher als Stadtteilgruppe fortsetzen. Ich bleibe ‚dran.

 

Politik für die Pflege

Gestern war Tag der Pflege. Erstens sowieso am 12. Mai, zweitens speziell als Aktionstag „meiner“ Diakonie. Was liegt näher, als dass ich mich auch einmal von Seiten der Politik für das Thema einsetze? Schließlich hat Chemnitz einen beträchtlichen Altersdurchschnitt, auch wenn wiederum der Stadtteil Sonnenberg der jüngste ist.

In unseren Zielen für den Wahlkreis, die wir in einem extra Faltblatt veröffentlicht haben und zur Zeit in die Briefkästen tragen, steht es drin: „Für ein Leben im Alter im vertrauten Wohnumfeld vorsorgen („Generationenfreundliches Quartier“)“. Der Begriff „generationenfreundlich“ gefiel meinen Mitstreitern spontan gut.

Sehr gut, dass an vielen Orten „Rettungspakete“ mit Unterschriften für Politiker zusammengestellt und übergeben wurden. In Chemnitz ist das allerdings mit einer Einladung an Bundestagsabgeordnete erst später geplant.

Ich werde das auf jeden Fall verfolgen, so oder so. Denn auch wenn sich der Tag dem klassischen Pflegethema widmete, die kommunale Seite verlangt zunehmend Beachtung. Über eine Website der Bertelsmann-Stiftung kann man sich übrgens die Planungsdaten einfach anzeiegn lassen: http://www.wegweiser-kommune.de/datenprognosen/pflegeprognose/Pflegeprognose.action