Das Opfer Daniel Hillig, die Rechten, Chemnitz

„Die da haben mit der Trauer doch gar nichts zu tun. Daniel würde wegen seiner Hautfarbe selbst von ihnen angepöbelt“, sagt S. und weist auf die Menge, die sich vor dem Karl-Marx-Kopf versammelt hat. Wir sitzen am Abend des #c2708 auf einem Mäuerchen vor der Sparkasse an der Brückenstraße. Hier wurde Daniel Hillig in der Nacht auf Sonntag erstochen. Ein junger Syrer und ein Iraker wurden deshalb festgenommen. Es ging übrigens um Geld, meint S., nicht darum, dass er Frauen schützen wollte. Das hatte BILD zuerst behauptet, „unbestätigte Gerüchte“ zur Titelzeile im Netz erhoben. Und damit die Geschichte angeschoben. Sonntag Abend und mit einem riesigen Aufruf zu Montag Abend wurde von rechten Gruppen nach Chemnitz mobilisiert. Und damit einhergehen Anfeindungen, Angriffe gegen Migranten. Die Polizei hatte die Lage nicht im Griff. Chemnitz ist bundesweit in den Schlagzeilen.

Hier bei dem großen und kleinen Kreis der Grablichter und Blumen herrscht eine andere Stimmung als bei den „rechten und linken Demonstranten“, wie es immer wieder falsch zusammengefasst wird. Nicht viele Frauen und Männer haben sich hier getroffen. Ein Freundeskreis, über Facebook, über die Arbeit, über Freizeit, gemeinsame Geschichten verbunden. Daniel war ein netter und toleranter Mensch, wird mir geschildert. Einer der wenigen in seiner Altersgruppe, der ein Elternteil hatte, das nicht aus Deutschland stammt. Sein Gedenkprofil zeigt locker-besinnliche Sprüche.

S. aus Daniels Freundeskreis kenne ich vom Sonnenberg, meinem bunten und kreativen Stadtteil. Jetzt sind alle geschockt über den gewaltsamen Tod. Und auch über die Art, wie die Politik in ihre Trauer einbricht. Die Rechten haben beim Aufmarsch ihre Blumen niedergelegt. Daniels Tod wird instrumentalisiert, das sieht S. Ja, aber der Wunsch nach einer drastischen Strafe und Abschiebung der Täter ist groß. „Du wirst mich deswegen hassen“, sagt sie. Nein, natürlich nicht. Aber darüber diskutieren wir nicht, wenn einen gestern ein Todesfall betroffen hat. Wir müssen an dem Thema dran bleiben.

Eigentlich eine echte Leistung, dass diese Leute, die den Verlust zu beklagen haben, nicht allen Flüchtlingen die Schuld geben. Sündenböcke entlasten, das suchen auch die, welche polemisch alle Sachsen in einen Topf werfen. Da habe ich den Reflex, meine Heimatstadt Chemnitz verteidigen zu wollen. Schaut doch auf den 1. Mai 2018, als in der Erinnerung die große Machtdemonstration des III. Weges von Gegenaktionen fast überdeckt wurde!

Nein, der braune Bodensatz ist da, er wird aufgewirbelt. Und wächst, wenn die Leute sich nicht beschützt fühlen. Dass die Grünen in Sachsen stark und natürlich vergeblich gegen den Stellenabbau bei der Polizei gekämpft haben, hat mich sehr beeindruckt.

Und dann die verfehlte Kommunikationspolitik und die Fehler der Flüchtlingspolitik, über die ich schon öfter geschrieben habe. (Immerhin hat die Polizei Sachsen aktiv getwittert und wirbt in der Pressekonferenz, ihr dort und auf Facebook zu folgen, um die richtigen Informationen zu bekommen. Aber gegenüber solchen Geschichten ist ihre Reichweite zu begrenzt.)

Das Rechthaben nützt nichts: Es bleibt unser Land und damit unsere Verantwortung. Gerade gegenüber den Flüchtlingen, die jetzt in Angst sind. Meine Freundin Sana, Syrerin in Chemnitz, die selbst zwei Söhne hat, war so erschüttert angesichts der Nachricht. Ich hoffe auf viel Mut bei allen und Gottes Segen.

Das Narrativ

„Wir brauchen ein neues Narrativ“, hieß es vor dem Bundestagswahlkampf aus meiner grünen Partei. Menschen haben das Gefühl,  dass in Sachen Umwelt schon viel getan wird. Die Botschaft der Fukushima-Katastrophe, dass die Atomkraft auch in einem westlichen Land nicht sicher ist, war nicht mehr neu und packend. Die zahllosen Briefe der Energieversorger an die Haushalte zu den Erhöhungen der EEG-Umlage hatten die Energiewende in ein schiefes Licht gerückt.

Und dann das, was als „Flüchtlingskrise“ bezeichnet wird. Da lautet die sinnstiftende Erzählung in den Köpfen der Noch-nie oder Nicht-mehr-Grün-Wähler: „Es gibt massenhaft Probleme in der Welt, aber Deutschland ist überfordert, wenn alle Flüchtlinge zu uns strömen. Das hat das Chaos Ende 2015 ja gezeigt. Und die Grünen sehen das nicht realistisch genug. Ihre Politik hat sich aus untauglich erwiesen.“

Die wahre Erzählung ist: Die Grünen haben immer gesagt, dass die Abschottung Deutschlands durch die Dublin-Regeln falsch ist. Dass sich da ein Problem aufstaut.  Sie haben während des Syrien-Krieges mehr Kontingente für schutzbedürftige Kriegsflüchtlinge gefordert. Sie fordern schon lange vergeblich ein Einwanderungsgesetz. Sie bestimmen weder in der Bundesregierung die Asylpolitik noch in den meisten Ländern, wie sie umgesetzt wird. Hier in Sachsen hat Petra Zais, die migrationspolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, zum Beispiel schon 2013 einen Ausbau der sächsischen Erstaufnahmeeinrichtung in Chemnitz-Ebersdorf gefordert. Wurde auf die lange Bank geschoben.

Was läuft alles schief! In den Blogbeiträgen der letzten Jahre habe ich Beispiele genannt. Dazu kam die Aussetzung des Familiennachzugs. Die Hoffnung aus den Sondierungsgesprächen zur Jameika-Koalition haben sich zerschlagen. Was hat diese Politik, erst sich abzuschotten und  dann mit einer unklaren Botschaft die Grenzen zu öffnen, für Schaden angerichtet? – Dass ein AKW havariert, kann man den Grünen nicht in die Schuhe schieben. Aber bei allem, was mit Flüchtlingen los ist, sind sie irgendwie mit schuld, denn sie setzen sich ja für sie ein. Ja, aber doch nicht für diese Bedingungen!

Warum erzähle ich das alles? Selbst erlebt habe ich viele schöne Geschichten: mit der Flüchtlingsarbeit der Brückenbauern Chemnitz, etwa bei der Fahrt nach Buchenwald. Die unterstütze ich auch als Vorstandsmitglied, was sehr viel Freude macht. Das erste Mal im Leben seit der Studienzeit bin ich so viel ehrenamtlich aktiv. Und privat habe ich wertvolle, lern- und hilfreiche Beziehungen zu geflüchteten Menschen. Politisch wären ein Mix aus Asyl-, Migrationspolitik und Hilfe vor Ort richtig. Mein Narrativ ist rund. Hier in Chemnitz gibt es zudem den Vorteil der demographischen Randlage: keine ausländischen jungen Leute auf der Straße heißt: keine bzw. viel weniger  junge Leute auf der Straße. Ich will das nicht.

Aber wie kriegen wir das Narrativ in mehr Köpfe und „Bäuche“ hinein? Ganz einfach und deshalb so schwer: Es muss wahr sein.

  • Die Regierenden müssen mit ganzer Kraft Richtung Integration gehen statt mit Abschreckung das zerstören, was andere versuchen aufzubauen.
  • Und die Verwaltungen müssen allen Bürgerinnen und Bürgern gegenüber Respekt und Freundlichkeit zeigen.
  • Rechtsverstöße müssen schnell geahndet werden.
  • Die geflüchteten Menschen müssen als Manager ihrer neuen Existenzgründung angesprochen werden, jedenfalls die große Mehrheit, die dazu in der Lage ist. Das Jobcenter ist den Umgang mit Menschen mit ganz anderen Voraussetzungen gewohnt.
  • Deutschland muss international gegenüber potentiellen Flüchtlingen und Migranten intensiv kommunizieren, sich und seine Bedingungen erklären. Letztes Jahr habe ich diesen epd-Artikel über Gerüchte verlinkt, nun fand ich dies Interview mit der zitierten Expertin „Die Mythenzertrümmerin“. Bitte nicht lesen ohne ihre letzte Antwort: „Hungernden Menschen, denen Bomben auf die Köpfe fallen, können wir nicht erklären, dass sie bleiben sollen. Unser Ziel ist es, Ausbeutung, Menschenhandel und Missbrauch zu bekämpfen und dafür zu sorgen, dass Menschen ihre Entscheidungen auf der Basis verifizierter Informationen treffen. Wer nicht unbedingt weg muss, überlegt es sich vielleicht. Leider denkt Europa sowohl geografisch als auch zeitlich viel zu kurz. Wenn Flüchtlinge in der Region ein Einkommen und ihre Kinder eine Ausbildung haben, bleiben sie; wenn nicht, gehen sie. Für Flüchtlinge, die keine andere Wahl haben, braucht es legale Wege, um in Europa Schutz zu finden. Sonst treibt man sie den Schleppern in die Arme.“

Meine Bastelarbeit mit Kindern beim Kiezweihnachtsmarkt vor der Tür. Ganz einfach. Leuchtet 🙂

Warum erzähle ich das? Weil ich anderer Stelle so viel kommuniziere, hat sich mein persönlicher Blog zu einer Art Jahresschlussrede entwickelt. Zu einer Art Weihnachtsbotschaft. Ich halte hier fest, was mir wichtig scheint. Als ich den letzten Text von 2016 las, hätte ich ihn fast erneut übernehmen können. Doch tun sich neue Problemhorizonte auf. Wenn wir selbst in einem stabilen Land mit halbwegs abgefederten sozialen Gegensätzen leben wollen, dann müssen wir auch klären, wie wir mit denen umgehen, die einen Krumen davon abhaben wollen. Berechtigterweise. Das Kind in der Krippe, was mit immer härterem Geschenkaustausch „gefeiert“ wird, hat jedenfalls später den Weg der Liebe gepredigt. Und zwar nicht als Moral, sondern Lösung.

„Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst“, das ist der realistischste Lösungsvorschlag, den ich kenne. Weil dahinter die größte Macht steht. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

P.S. Hier ist der Weihnachtsrundbrief der Chemnitzer Brücke. Ich wünsche mir dies Jahr ganz konkret Spenden für die Arbeit, konkret für die Johns Anstellung. Seine Frau ist übrigens Journalistin und hat mir kürzlich einen ganzen Packen Belegkopien ihrer Artikel gezeigt.

 

Weihnachten und Aleppo 2017

Blieb es früher manchen Weihnachtspredigten vorbehalten, auf den Kontrast zwischen der unfriedlichen Welt und dem Kommerz-Fest hinzuweisen, so ist das in diesem Jahr auf den Titelseiten. Aleppo. „Did you hear the news from Aleppo?“ fragte mich gestern ein syrischer Freund. Meine Antwort war unterlegt mit viel Ratlosigkeit und schlechtem Gewissen.

Tagesspiegel-Titel, Quelle: Twitter TagesspiegelUnd es ist ja noch gar nicht Heiligabend. Wieder rufen manche in meiner Twitter-Timeline „Jemen„. Fünfzig Flüchtlinge sind nach Afghanistan abgeschoben worden – Pro Asyl versucht Aufmerksamkeit durch einen Adventskalender herzustellen.

Ich werde nicht weiteres aufzählen. Ihr wisst, dass ich die Weltlage verfolge. Und seit meinem Politikstudium hat sie sich mehrfach gedreht. Zuletzt in diesem Jahr, seit die einen in größerer Zahl als bisher hier mit Helfern ihre persönliche Lösung auf all die Schrecken suchen – Flüchtlinge auf der Suche nach einem neuen Anfang oder wenigstens einer sicheren Bleibe für den Übergang – und die anderen in der Abwehr ihre Zuflucht suchen. Gegen fremdenfeindliche Demos hat man noch Mahnwachen veranstaltet. Was tut man gegen die Antworten aus dem Sachsenmonitor?

Ja, man kann viel tun, ich weiß. Es gab und gibt Lösungen für viele Probleme. Wenn der Grundwert aber der Egoismus ist, wird es schwierig. Überall übrigens. Die Reichen in den meisten Ländern raffen eher für sich und sorgen nicht für soziale Stukturen.

Trotzdem werden wir nicht müde. Müdigkeit droht angesichts der ungewohnten Zahl der schlechten Nachrichten. Sich umzustellen in der Wahnehmung und Verarbeitung kostet Kraft. Hilfreich ist – und das ist mein persönlicher Kommunikationstipp: die dunklen Sätze der Bibel bewusst wahrzunehmen. Es gibt das Böse, es gibt Kampf, es gibt schreiendes Unrecht. Die Texte aus der Advents- und Weihnachtszeit waren nicht in friedliche Zeiten hinein gesprochen. Und dann noch einmal zu überlegen, ob da der Weg zum Licht ist.

Stellvertretend denke ich an diesen Satz aus Jesaja „Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.“ Aber lest auch einmal das Drumherum. Oder wagt euch an die Apokalypse.

Aleppo Weihnachten 2017. Wenn Merkel „die Not das Herz bricht“, aber man die Grenzen dicht macht, ein paar Tage zuvor noch auf dem CDU-Bundesparteitag verspricht, etwas wie 2015 werde sich nicht wiederholen – weil die Partei das hören will, weil sie denkt die Mehrheit der Wähler will das – dann rate ich, noch genauer auf die Werte zu gucken. Und wünsche allen, die auf diesem Weg sind, viel Kraft und Munterkeit. Frohe Weihnachten 2017!

Mit Flüchtlingen direkt kommunizieren

Eine neue Zielgruppe ist im Land. Oder Dialoggruppe, wie manche sagen. Das passt hier besonders gut, denn es geht um den Dialog: mit den Flüchtlingen. In den Angelegenheiten, die sie betreffen, ihren Weg in die deutsche Welt zu finden. Sie sind angekommen, wurden im besten Fall willkommen geheißen. Aber dann sind viele Schritte zu tun. Was und wie, erfahren sie meistens nicht direkt, sondern über Multiplikatoren, berufliche oder ehrenamtliche Betreuer. Das ist ein Nadelöhr. Der Betreuungsschlüssel 1:80 hier für Flüchtlinge in der eigenen Wohnung reicht höchstens für die dringenden bürokratischen Angelegenheiten. Und wenn das Asylverfahren abgeschlossen ist – dann haben sie diese Betreuung nicht mehr (falls nicht nette Menschen einfach ehrenamtlich weiter helfen.)

Für deutsche Zielgruppen gibt es Infokampagnen zuhauf. Zum Beispiel, um Berufsorientierung zu bieten. Wenn da ein Absender ist und ein Etat, na, dann wird etwas ins Netz gestellt, werden Broschüren gedruckt. Es werden Veranstaltungen konzipiert, durchgeführt… Alles gut, nur für Flüchtlinge gibt es das so gut wie gar nicht.

Rühmliche Ausnahme: In Chemnitz findet morgen zum 5. Mal die Integrationsmesse statt. Letztes Jahr, als schon merklich mehr Flüchtlinge da waren, haben wir mit syrischen Nachbarn und Besuchern der Brücke diese Messe besucht. Da fiel allerdings auf, dass es kaum fremdsprachiges Angebote gab. „Ja, die müssen ja erst mal Deutsch können, wenn sie bei uns arbeiten wollen“, war die Antwort auf meine Frage nach arabischen Flyern.

Natürlich, aber warum muss man erst Deutsch können, bevor man eine Chance bekommt, das deutsche System, wie man Arbeit findet, auch nur ansatzweise zu verstehen? Brauchen wir nicht alle eine Vision von dem, was wir erreichen können, um motiviert zu sein, uns dafür anzustrengen?

Um deutschen Boden zu betreten, dafür haben die Flüchtlinge meist große Anstrengungen auf sich genommen. (Geleitet waren sie auch von viele Gerüchten – mehr dazu in diesem Artikel. Aber angesichts sich ständig ändernder Asylgesetze gab und gibt es auch schwer wenig hieb- und stichfeste Aussagen. Eine Info-Kampagne sollte nicht abschrecken, sondern helfen.)

Um hier Arbeit zu finden außer den üblichen Jobs im Imbiss eines Freundes, brauchen sie echte Informationen. Wie erreicht man sie?

  • Flyer und Broschüren haben die bekannten Nachteile: teuer, unflexibel in der Distribution, schnell veraltet – und schnell verkramt, verloren.
  • Websiten sind oft auf dem Smartphone schwer zu lesen, die Links bis zu dem einen .pdf auf arabisch kaum zu finden, wenn das ganze Menü auf deutsch ist
  • Deshalb ist international Facebook erfolgreich, also habe ich den Facebookauftritt https://www.facebook.com/christian.bruckenbauer gestartet. Extra als Personenseite, denn die Freundschaft, die Beziehungen, sind in den nicht-westlichen Kulturen ja sehr wichtig. Eine Veranstaltung zu besuchen, bloß weil man ein Plakat gesehen hat – eher nicht. Eingeladen zu sein, möglichst persönlich und mehrfach, das klappt eher.

Um Informationen zu vermitteln, haben wir uns als „Brückenbauer Chemnitz e. V.“ mit praktischen Projekten beteiligt. Wir starteten mit der Veranstaltung „Wie finde ich Arbeit?“

Zum anderen speziell mit dem Thema Pflege. Das Projekt „Nachwuchs für die Pflege“ ist in vollem Gange. Im Juli dürfen wir eine Pflegeeinrichtung besuchen. Das Interesse ist da.

 

 

Wie entwickeln wir eine sinnvolle und nachhaltige SM-Strategie?

Am 30. Februar 2016 fand in Dresden der erste Social Media-Fachtag statt, ökumenisch veranstaltet von Landeskirche und Bistum. Ich habe zwei mal den Workshop „Wie entwickeln wir für Social Media eine sinnvolle und nachhaltige Strategie?“ gehalten. Hier die Stichworte zu meinem Input:

  1. Ziel für SM-Aktivität beschreiben
  2. (Erfahrungen als Nutzer sammeln)
  3. Mit Mut! Aufmerksamkeit wird ständig neu verteilt
  4. Mit Vertrauen! Spreizung der Mediennutzung – wir werden nicht alle überzeugen
  5. Profil klären: Wer bin ich? was habe ich zu sagen? was bewegt meine Zielgruppe? Lustiges, rührendes, empörendes (Facebook-Person oder Seite?)
  6. Zeitbudget klären (Arbeit /Freizeit)
  7. Infrastruktur klären: Dienst-Mailadresse?! Dienst-Smartphone?
  8. Vom Content her denken: 1 Text/Foto (Inhalt) über verschiedene Kanäle (Website als Standbein, Social Media als Spielbein)
  9. Veranstaltungswerbung kommt an Facebook nicht vorbei
  10. Crossmedial arbeiten – auch mit Gebäuden, Kleidung, Bildern, Gegenständen: Beispiel prominente Kirchen als „Ort“ bei Facebook
  11. Gelegenheit zum Teilen, Folgen, Kommentieren geben – selber teilen
  12. Im öffentlichen Leben, im Umfeld meiner Resonanzgruppe auftauchen
  13. Unterstützung holen – Technik, Bilder, Videos

Nicht vergessen: Social Media ist ein Tool aus dem Werkzeugkasten, eine übergreifende ÖA-Strategie und z. B. prägnante Texte und Bilder bleiben wichtig.

6 Dinge, die ich dies Jahr gelernt habe

„Und im neuen Jahr 2015 verfolgen wir die weltweiten Umwälzungen und ihre Auswirkungen  bis nach Chemnitz und überallhin. Dafür hoffe ich auf Offenheit, etwas zu erkennen und die Bereitschaft, es zu tun.“

Gerade las ich meinen Weihnachtsblogbeitrag vom letzten Jahr, der mit diesen Worten endete. Klingt direkt prophetisch. Aber ich habe über den wachsenden Onlinehandel geschrieben, nicht über Flüchtlinge. Was habe ich dies Jahr gelernt?

  1. Die Hoffnung auf Offenheit und Bereitschaft, die ich formuliert habe,  richtet sich beim Thema Flüchtlinge auch an mich selbst. Als Syrer auf unsere Etage gezogen sind, brauchte ich erst eine Weile, um die Fremdheitsgefühle zu überwinden. Heute sind nachbarschaftlich-freundschaftliche Beziehungen gewachsen. Ich habe Verständigung mit Händen und Füßen und technischen Hilfsmitteln gelernt.
  2. Dass Not anders wirkt, wenn sie ein Gesicht kriegt, dass Hilferufe eher gehört werden, wenn sie uns aus der Nähe erreichen, dass einzelne Not nicht so mobilisiert wie die große Zahl, das weiß ich aus der Obdachlosenhilfe in Hamburg, die durch Hinz & Kunzt verändert wurde. Und aus dem großen Tsunami mit vielen betroffenen deutschen Weihnachtsurlaubern. Aber diese Beispiele waren winzig, verglichen mit dem Zuzug der Flüchtlinge. Es ist nicht mehr die Not einer begrenzten Gruppe oder fern ab, sondern vielfältig und massiv. Ein riesiges Thema Nr. 1.
  3. Ein „Wir schaffen das“ öffnet zwar die Tür, welche das verquere Dublin-Abkommen geschlossen hatte, aber macht keine jahrzehntelange praktische Abschottung wett. Kein Wunder, dass bei der Aufnahme der Flüchtlinge Chaos herrscht. Zum Beispiel las ich heute, dass mit einem Flüchtlingsausweis die Doppelerfassung von Daten beendet werden soll. Oder gestern, dass die Flüchtlinge in Sachsen eine Infobroschüre in ihrer Sprache bekommen sollen. Das hätte ich nicht für etwas Neues gehalten, aber es ist so, das habe ich in diesem Jahr gelernt. Und wer weiß, was aus diesen Ankündigungen wird. „Change by design or by desaster?“
  4. Probleme schaffen Verdruss bei denen, die sie erleiden. Aber auch bei denen, die im wesentlichen zugucken, wie „die Verantwortlichen“ in der Krise stolpern. Ich habe gelernt, wie diese Mischung von Fremdheitsgefühlen, Unwissen, Verunsicherung und mangelnder Nächstenliebe zu Wut und Hass führen. Leider bietet meine neue Heimat dafür einen besonderen Nährboden. Einen Beitrag dazu habe ich hier geschrieben. Es ist bitter, die Umrisse der alten DDR in Karten der rechten Facebookseiten und gewalttätigen Übergriffe wieder zu erkennen.
  5. Nach dieser kritischen Aufzählung folgt in Kommentaren dann gern das Lob der ehrenamtlichen Hilfe. Auch das ist hier nicht so massiv sichtbar wie zum Beispiel in Hamburg.  Aber es strahlt um so heller. Viele junge Leute wollen helfen, starten Projekte, organisieren sich selbst. Ich habe neue Leute kennengelernt. Und in unserem eigenen Projekt viel gelernt. Die „Brückenbauer Chemnitz e. V.“ habe ich erst nur unterstützt, dann wurde es mehr. Diese Website ist unser Tool für Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung. Hier bin ich ehrenamtlich aktiv. Den Heiligabend verbrachte ich mit Flüchtlingen in der Brücke.
  6. Beiträge mit solchen abgezählten Punkten hatte ich bisher nur leichte Lektüre gehalten, auf Klicks aus. Doch ich habe gelernt, dass Medien wie die HuffingtonPost, Bands und Prominente früher oder später sich lösungsorientiert in die Debatte einmischten. Auch die Freie Presse in Chemnitz mischt tapfer mit. Die Spaltung Deutschlands fordert heraus, Stellung zu beziehen. Es gibt keine einfachen Antworten, nur die eine Wahrheit, dass wir gemeinsam auf dieser Erde leben müssen. – Und ich glaube, dass Gott es uns ermöglicht, dass wir es schaffen, weil er uns allen die Erde gegeben hat.

 

 

 

Dialog ist, wenn … (2)

Als ich über das Dialogforum in Chemnitz geschrieben habe, war das meine These: Dialog ist, wenn das Reden Selbstzweck ist. Und nichts daraus folgt, keine Taten.

Leider bestätigt sich das, und zwar noch schlimmer, als ich es mir hätte vorstellen können.

#Freital zeigte das, und #ZeltstaDD war die nächste Stufe: Die Landesregierung schafft noch nicht einmal die einfachste Kommunikation zur Unterbringung von Asylsuchenden, nicht einmal gegenüber dem eigenen Asyllenkungsausschuss! Dazu hat Uwe Kuhr hier eine lesenswerten Artikel „Landesregierung lernt nicht aus Fehlern“ geschrieben.

So etwas muss doch Konsequenzen haben?

Schocken, smac und die Lehren für die Werbung

Als das neue Staatliche Museum für Archäologie in Chemnitz eröffnet wurde, hatte es einen doppelten Vorteil, viele Besucher anzuziehen: Nicht nur die Ur-Geschichte Sachsens auf dem neusten Stand der Museumstechnik darzustellen, sondern das auch in einem besonderen Gebäude. Neben dem Kulturkaufhaus Tietz hat der Schocken in Chemnitz eine Tradition als historisches Warenhaus, und darüber hinaus als Gebäude der Moderne. Der Entwurf des Architekten Mendelssohn wurde durch die Nutzung erhalten und wunderbar wieder hergestellt. Eine geniale Idee, die runde Fensterfassade in den Stockwerken der Geschichte des Gebäudes, seiner Besitzer und Gestalter zu widmen.

Doch als es eröffnet war, traute ich meinen Augen nicht: der Name Schocken verschwand in der offiziellen Kommunikation hinter der Abkürzung „smac“. Ja, für einen Schokoriegel oder für irgendein EU-Programm im berüchtigten Eurospeech wäre das ein pfiffiger Name. Aber doch nicht für den Schocken!

Schocken NameIch habe am Anfang ein paar Mal dagegen an getwittert und freue mich ansonsten an den alten metallgearbeiteten Inschriften „Schocken“,  die aus Denkmalschutzgründen über allen Türen sichtbar bleiben.

Doch heute bei diesem Zeitungsartikel tut es richtig weh: Da klagt das Museum über mangelnde Werbung und möchte seinen Namen an die Fassade schreiben, um „um potenzielle Besucher in ihren Erwartungen abzuholen“.

Man hat also gemerkt, dass etwas versäumt wurde: dies große Gebäude Schocken selbst als Werbeträger nutzen und so dicht mit dem neuen Inhalt zu verbinden wie es das früher als Einkaufstempel war. „Der Schocken ist das Archäologiemuseum in Chemnitz“. Das wäre die kommunikative Botschaft gewesen.

Jetzt ist der Fehler passiert. Und der Denkmalschutz steht auf der Bremse und will keine neuen Schilder genehmigen.

Das ist ein eklatantes Beispiel zum Lernen für die Zukunft. Der Inhalt, der da ist, in einem Gebäude materialisiert, in den Köpfen lebendig, der lässt sich nutzen, aber nicht ignorieren.

Was tun?

– es so lassen wie es ist. Die Schrift auf den Schaufenstern ist ja klar.

– besser: „Schocken“ wieder in die Kommunikation integrieren. Warum nicht „Schocken Museum für Archäologie Chemnitz – smac“?

– Kämpfen, Denkmalschutz gegen Museum, Gewinner / Verlierer und Schuldzuweisungen produzieren. Das wäre die schlechteste Lösung. Ich hoffe auf Besseres.

Übrigens habe ich gerade die berühmte Holzbank ausprobiert. Feucht war sie, der Gewitterregen der Nacht hatte sich in den Längsrissen im Holz gesammelt. Mal ein paar Samen reinstecken? 😉

 

 

 

 

 

 

 

Wollen Sie eine Revolution ohne Lachen machen?

Danke, Agentur Punkt191, für diese Aktion. Und besonders für das Beuys-Zitat s.o.

Da gibt’s eine ordentliche Summe Geld, da gibt’s eine prominente Fläche, da gibt’s etwas zu gestalten, und was macht die Stadt? 60.000 Euro für diese Stämme nach Berlin vergeben. (Ich habe wirklich nichts gegen solche Kunst, aber irgend eine Hilfe zum Verständnis hätte man den Chemnitzerinnen und Chemnitzer schon geben müssen. Vor den Kunstsammlungen steht auch eine besondere Bank, aber darauf kann man sitzen, darüber regt sich niemand auf.)

Ich würde die Reichweite von einem Stern-TV-Beitrag nicht so hoch ansiedeln, aber klar, dass das nicht unkommentiert bleibt. Und bei denen, die nicht lachen, eher die Politikverdrossenheit fördert als die Revolution.

Es zeigt mir, wie wichtig die Arbeit unseres Branchenverbandes Kreatives Chemnitz ist: Welche Standards gibt es für solche Aufträge im öffentlichen Raum? Die Kommunikation muss mitbedacht werden.

Dialog ist, wenn … (1)

Gestern habe ich am Dialogforum teilgenommen, welches das Land Sachsen das erste Mal in Chemnitz stattfinden ließ.

Ich habe mich angemeldet, trotz meiner Skepsis gegenüber diesen Veranstaltungen. Aber wenn ich sowieso zwangsläufig als Mensch in meiner neuen Heimat, als Christin und Grüne mit dem Thema Asyl und Pegida zu tun habe, dann gehe ich hin. Als Journalistin war ich natürlich neugierig, das selbst zu erleben. (Die normalen Medienvertreter durften bei den Gesprächen an den Tischen nicht lauschen, da war ich im Vorteil.)

Meine Hauptkritik, die sich bestätigte: Wenn die Leute als ‚Pegida‘ auf die Straße gehen, dann wollen einige ihre Anliegen vorbringen und Gehör finden. Vielleicht gehörten die Leute am ersten Tisch dazu: ein Pro-Chemnitz-Vertreter und zwei andere aus dem Pegida-Lager, die zufällig per Los zusammen an dem Tisch gelandet waren. Ansprechpartner war der AfD-Fraktionsvorsitzender Wurlitzer aus dem Landtag. Der war von jemand anderem zwei Stunden zuvor gebeten worden, den Platz zu übernehmen. Er sagte fast gar nichts. Die anderen hatten ihre Sammlungen mit kriminellen Taten von Asylbewerbern dabei und propagierten Abschiebung als Lösung. Wir sollten laut Anordnung der Veranstalter auf großen Papieren notieren, was uns gemeinsam bewegt. Ich versuchte es: Dass die Erde uns allen gemeinsam gegeben ist? Das war der Mehrheit am Tisch fremd. Eine Frau vom Flüchtlingsrat und ich haben uns bemüht, Informationen zum Thema einzuschleusen. Zum Beispiel, dass auch die Flüchtlinge und andere Ausländer ein Sicherheitsproblem haben mit Übergriffen – von denen die anderen noch nie etwas gehört hatten.

Angeblich hatten sie ihre Klagen schon anderer Stelle vorgebracht ohne Effekt. Überhaupt würde immer alles verheimlicht. „Aber ich habe einen Freund bei der Polizei, der Feuerwehr, der Ausländerbehörde, mein Schwiegervater war der Herausgeber der Zeitung …“ hieß es dann als Quelle der Behauptungen. Merke: In einer Demokratie lassen sich Probleme nicht totschweigen, auch in Sachsen nicht. Sie müssen transparent angegangen werden.

1. Die Leute müssen mit ihren Problemen Gehör finden. Dazu brauchen Verwaltungsleute Mediatoren, Helfer, die sie bei Bedarf dazuziehen können.

2. Wenn Entscheidungen auch gegen den Bürgerwillen getroffen werden, muss um so sorgfältiger kommuniziert werden, die Befürworter müssen gesammelt werden.

Krasses Beispiel am zweiten Tisch: Eine Frauenärztin hört an ihrem Ort von den Gerüchten eines Asylheims mit 150 Plätzen, von den Ängsten und sich entwickelnden rechten Einstellungen. Sie schreiben zu viert an den Landrat, bitten um Informationen, schlagen Alternativen zur zentralen Unterbringung vor. Und die Antwort: Keine.

Diese Frau ging nun nicht wie die Leute aus Perba zur Pegida. Sie meldete sich zum Dialogforum an und wie der Zufall es wollte: Sie saß Ministerpräsident Tillich gegenüber.

OK, wenn man zufällig eine Stunde mit Tillich reden kann, das Problem dieses Landkreises vorbringen, dann hat sich die Einladung gelohnt. Jetzt hoffen wir alle, dass die Inititative dieser Ärztin und der anderen aus ihrem Umfeld Erfolg hat. Ich habe unter anderem auf mehr Transparenz für die Bürger, etwa durch Tage der Offenen Tür, in der Erstaufnahme Ebersdorf gedrängt. Konkrete Zusagen gab es allerdings nicht.

Aber ob so ein Gespräch möglich ist, darf doch nicht dem Zufall überlassen bleiben! Sachsen hat nicht gelernt, die Bürger zur Lösung der Probleme einzubeziehen. Das rächt sich jetzt. Und da ist so ein Dialogforum eine teure Alibiveranstaltung.

Es wäre schon anders, wenn für das Dialogforum  wenigstens im Vorfeld die Themen gesammelt und Experten zugeordnet worden wären. Das zweite Thema Demokratie führte übrigens dazu, dass Bürger ihre Anliegen wegen Wassergebühren, Biokläranlagen, medizinischen Behandlungsfehlern … vorbrachten. Die CDU-Landtagsabgeordnete am Tisch habe daraus eine Bürgersprechstunde gemacht, wurde mir erzählt, aber für die anderen war es unergiebig.

Der letzte Teil in Form einer Fish-Bowl-Diskussion konnte nicht funktionieren, weil die „Fische“ am Rande eines großen akustisch lauten Saals auf einem Podium standen. Vorher überlegt? Auch Tillich hat lieber weiter geplaudert als zuzuhören.

Ich habe gelernt: Was ist ein Gespräch? Was man an den Ergebnissen misst. Was ist ein Dialog? Wo das Reden Selbstzweck ist. Und ein Dialogforum? Wo viele wichtige und dafür bezahlte Leute dabei sind. Und die unbezahlten Bürger sich fragen, was es ihnen gebracht hat.

Fazit: Mit einem soliden Kommunikationskonzept ließe sich die Herausforderung bewältigen, den Flüchtlingen zu helfen. Und Sachsen ein Stück vitaler, bunter und zukunftsfähiger zu gestalten. Dies #dialogmiteinder ist dazu der nullte Schritt. Vielleicht folgt ein erster.