#Corona: Das Risiko und die Nachrichtenlage

Baum

Noch eine Geschichte zum Baum*

„Weihnachten ist Kommunikation“ hieß mein erster vorweihnachtlicher Blogbeitrag hier 2012. Dass ich auch schon mal Weihnachten nur zu zweit ohne Festessen gefeiert habe und das in Anbetracht der wahren Weihnachtsgeschichte mit der Verkündigung der frohen Botschaft auch ok ist, schrieb ich damals. Und 2014 über die Krise der Innenstädte, dass der Weihnachtsmarkt wie in Chemnitz zwar für Atmosphäre sorgt, aber das Geld doch vermehr in den Onlinehandel fließt.

Und ähnlich kritische Anmerkungen in den folgenden Jahren, immer mit der Zuversicht, dass Gott doch mit seiner Welt seinen Weg geht. Dass der immer größere Feier- und Geschenkewettbewerb eher zu Stress führt statt zur Freude, auch das ist im Grunde ein Allgemeinplatz geworden.

Aber wie ist es, wenn wirklich die verzweifelten Versuche, eine Pandemie zu stoppen, die Weihnachtsfeiern ausbremsen? Darauf gibt es ehrlich keine Antwort. Jeder Antwortversuch wie s.o., dass es auch sein Gutes hat, führt zu neuen Fragen. Was ist mit den Flüchtlingen, zum Beispiel in der Erstaufnahme, die nicht mal selbst kochen können, die ihre „triftige Gründe“, das Gelände zu verlassen, nachweisen müssen. Oder die in einem Heim untergebracht sind und seit Monaten nicht mal niemand zu sich einladen dürfen. Oder die irgendwo in einem Land auf der Flucht hängen geblieben sind. Dann sind wir gleich bei den Alten im Pflegeheim, wo sich das „rundum versorgt und sicher“-Versprechen als Zwang zu Einsamkeit enthüllt.

„Es ist ein Risiko.“ Ich könnte jetzt schnell schreiben, dass das die eigentliche Frage der Menschheit ist, wie sie damit umgeht. War Eva risikobereit, als sie sich auf den Dialog mit der Schlange einließ? Wie viele Selbststände ohne dickes Finanzpolster haben sich das 2020 gefragt, als der Spruch „Wer wagt, gewinnt“ sich auf Grund vorher unbekannter Risiken als trügerisch entpuppte. Das macht die Nachrichtenlage spannend, das ist die Aufgabe an den Newsdesks: Die richtige Balance zu finden zwischen dem Neuen und dem Bekannten, das Neue in das Bekannte einzuordnen, die Geschichte weiter zu erzählen. Gerade in einer Zeit mit vielen festen Erzählmustern wie Weihnachten ist das eine Kunst oder Übungssache.

Jetzt brach aber ein neues Risiko, außerhalb der Raster stehendes, wie die Pandemie in die Nachrichtenlage ein. Nach dem Frühjahr dachten viele, das Thema sei durch. Aber mit der zweiten Welle hat es sich aufgefächert, die einen wollen sich schützen, solidarisch sein. Die anderen probieren den Aufstand, parieren die Nachrichten mit Leugnen und Forderungen nach perfekten Lösungen seitens der Politik. Und dazwischen die Betroffenen im medizinischen Betrieb oder auch auf den Friedhöfen, die verzweifeln, weil sie ihre Arbeit nicht schaffen. Und die Probleme der Geschäfte, Restaurants, Kunstschaffenden werden in diesem neu entfachten Konflikt zwischen Staat und #Coronaleugnern verdrängt.

Kaum kam eine gewisse Hoffnung durch Impfstoffe, die gute Nachricht vom Sohn eines türkischen eingewanderten Ford-Arbeiters (Da muss irgend etwas richtig gelaufen sein, dass es die Firma BioNTech gibt!), kaum kam diese Hoffnung, da ist die Rede von der vielleicht noch ansteckenderen Mutation aus Großbritannien.

Und damit sind wir auf dem besten Wege, die freie Zeit durch eingesparte Weihnachtsvorbereitungen oder letzte Bummel über den Weihnachtmarkt in die Medien zu stecken. In das Verfolgen der Kanäle, selbst posten, lesen, nachlesen, gründlicher lesen, mehr posten … .

Aber fand nicht das Ur-Weihnachten komplett am Rande der großen Nachrichtenlage statt? Noch nicht mal im Palast des Herodes, geschweige denn in den Machtzentren der damaligen Zeit wurde der Retter geboren?

Der Gedanke ermutigt mich, Weihnachten 2020 mehr am Rande des Nachrichtenstroms zu verbringen. Anderen zuzuhören, Beziehungen zu vertiefen. Allein oder gemeinsam (zum Beispiel in einem längeren Telefonat oder privaten Online-Meeting) auf die Botschaft der Engel in diese Zeit zu hören. Dem nachzusinnen.

„Aber das könntest Du doch auch öffentlich mit Deiner digitalen Person machen, gerade jetzt ist das wichtig“, meldet sich die innere Stimme. Nein, beides zugleich kann ich nicht. Das werden andere tun. Davon kenne ich viele. Gut, dass es Euch gibt. Frohe und gesegnete Weihnachten!

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*Ein Bild muss sein. Ein Screenshot vom Handy? Nein, einfach den Baum, den U. wie in den letzten Jahren geschlagen hat auf seinem Grundstück. Der in der Chemnitzer Brücke steht. Den S. geschmückt hat. Ohne klar zu haben, was drumherum passiert, denn eine Feier in der bekannten Form kann es nicht geben. Aber es ist ein Symbol.

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