Kommunikation

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Dieser Satz des Psychologen Paul Watzlawick fasziniert mich. Deshalb handelt dieser Blog von Kommunikation: von Medien, von Werbung, von Design. Und immer von Menschen. So können Sie mich kennen lernen.

Mit Flüchtlingen direkt kommunizieren

Eine neue Zielgruppe ist im Land. Oder Dialoggruppe, wie manche sagen. Das passt hier besonders gut, denn es geht um den Dialog: mit den Flüchtlingen. In den Angelegenheiten, die sie betreffen, ihren Weg in die deutsche Welt zu finden. Sie sind angekommen, wurden im besten Fall willkommen geheißen. Aber dann sind viele Schritte zu tun. Was und wie, erfahren sie meistens nicht direkt, sondern über Multiplikatoren, berufliche oder ehrenamtliche Betreuer. Das ist ein Nadelöhr. Der Betreuungsschlüssel 1:80 hier für Flüchtlinge in der eigenen Wohnung reicht höchstens für die dringenden bürokratischen Angelegenheiten. Und wenn das Asylverfahren abgeschlossen ist – dann haben sie diese Betreuung nicht mehr (falls nicht nette Menschen einfach ehrenamtlich weiter helfen.)

Für deutsche Zielgruppen gibt es Infokampagnen zuhauf. Zum Beispiel, um Berufsorientierung zu bieten. Wenn da ein Absender ist und ein Etat, na, dann wird etwas ins Netz gestellt, werden Broschüren gedruckt. Es werden Veranstaltungen konzipiert, durchgeführt… Alles gut, nur für Flüchtlinge gibt es das so gut wie gar nicht.

Rühmliche Ausnahme: In Chemnitz findet morgen zum 5. Mal die Integrationsmesse statt. Letztes Jahr, als schon merklich mehr Flüchtlinge da waren, haben wir mit syrischen Nachbarn und Besuchern der Brücke diese Messe besucht. Da fiel allerdings auf, dass es kaum fremdsprachiges Angebote gab. „Ja, die müssen ja erst mal Deutsch können, wenn sie bei uns arbeiten wollen“, war die Antwort auf meine Frage nach arabischen Flyern.

Natürlich, aber warum muss man erst Deutsch können, bevor man eine Chance bekommt, das deutsche System, wie man Arbeit findet, auch nur ansatzweise zu verstehen? Brauchen wir nicht alle eine Vision von dem, was wir erreichen können, um motiviert zu sein, uns dafür anzustrengen?

Um deutschen Boden zu betreten, dafür haben die Flüchtlinge meist große Anstrengungen auf sich genommen. (Geleitet waren sie auch von viele Gerüchten – mehr dazu in diesem Artikel. Aber angesichts sich ständig ändernder Asylgesetze gab und gibt es auch schwer wenig hieb- und stichfeste Aussagen. Eine Info-Kampagne sollte nicht abschrecken, sondern helfen.)

Um hier Arbeit zu finden außer den üblichen Jobs im Imbiss eines Freundes, brauchen sie echte Informationen. Wie erreicht man sie?

  • Flyer und Broschüren haben die bekannten Nachteile: teuer, unflexibel in der Distribution, schnell veraltet – und schnell verkramt, verloren.
  • Websiten sind oft auf dem Smartphone schwer zu lesen, die Links bis zu dem einen .pdf auf arabisch kaum zu finden, wenn das ganze Menü auf deutsch ist
  • Deshalb ist international Facebook erfolgreich, also habe ich den Facebookauftritt https://www.facebook.com/christian.bruckenbauer gestartet. Extra als Personenseite, denn die Freundschaft, die Beziehungen, sind in den nicht-westlichen Kulturen ja sehr wichtig. Eine Veranstaltung zu besuchen, bloß weil man ein Plakat gesehen hat – eher nicht. Eingeladen zu sein, möglichst persönlich und mehrfach, das klappt eher.

Um Informationen zu vermitteln, haben wir uns als „Brückenbauer Chemnitz e. V.“ mit praktischen Projekten beteiligt. Wir starteten mit der Veranstaltung „Wie finde ich Arbeit?“

Zum anderen speziell mit dem Thema Pflege. Das Projekt „Nachwuchs für die Pflege“ ist in vollem Gange. Im Juli dürfen wir eine Pflegeeinrichtung besuchen. Das Interesse ist da.

 

 

Wie entwickeln wir eine sinnvolle und nachhaltige SM-Strategie?

Am 30. Februar 2016 fand in Dresden der erste Social Media-Fachtag statt, ökumenisch veranstaltet von Landeskirche und Bistum. Ich habe zwei mal den Workshop „Wie entwickeln wir für Social Media eine sinnvolle und nachhaltige Strategie?“ gehalten. Hier die Stichworte zu meinem Input:

  1. Ziel für SM-Aktivität beschreiben
  2. (Erfahrungen als Nutzer sammeln)
  3. Mit Mut! Aufmerksamkeit wird ständig neu verteilt
  4. Mit Vertrauen! Spreizung der Mediennutzung – wir werden nicht alle überzeugen
  5. Profil klären: Wer bin ich? was habe ich zu sagen? was bewegt meine Zielgruppe? Lustiges, rührendes, empörendes (Facebook-Person oder Seite?)
  6. Zeitbudget klären (Arbeit /Freizeit)
  7. Infrastruktur klären: Dienst-Mailadresse?! Dienst-Smartphone?
  8. Vom Content her denken: 1 Text/Foto (Inhalt) über verschiedene Kanäle (Website als Standbein, Social Media als Spielbein)
  9. Veranstaltungswerbung kommt an Facebook nicht vorbei
  10. Crossmedial arbeiten – auch mit Gebäuden, Kleidung, Bildern, Gegenständen: Beispiel prominente Kirchen als „Ort“ bei Facebook
  11. Gelegenheit zum Teilen, Folgen, Kommentieren geben – selber teilen
  12. Im öffentlichen Leben, im Umfeld meiner Resonanzgruppe auftauchen
  13. Unterstützung holen – Technik, Bilder, Videos

Nicht vergessen: Social Media ist ein Tool aus dem Werkzeugkasten, eine übergreifende ÖA-Strategie und z. B. prägnante Texte und Bilder bleiben wichtig.

6 Dinge, die ich dies Jahr gelernt habe

„Und im neuen Jahr 2015 verfolgen wir die weltweiten Umwälzungen und ihre Auswirkungen  bis nach Chemnitz und überallhin. Dafür hoffe ich auf Offenheit, etwas zu erkennen und die Bereitschaft, es zu tun.“

Gerade las ich meinen Weihnachtsblogbeitrag vom letzten Jahr, der mit diesen Worten endete. Klingt direkt prophetisch. Aber ich habe über den wachsenden Onlinehandel geschrieben, nicht über Flüchtlinge. Was habe ich dies Jahr gelernt?

  1. Die Hoffnung auf Offenheit und Bereitschaft, die ich formuliert habe,  richtet sich beim Thema Flüchtlinge auch an mich selbst. Als Syrer auf unsere Etage gezogen sind, brauchte ich erst eine Weile, um die Fremdheitsgefühle zu überwinden. Heute sind nachbarschaftlich-freundschaftliche Beziehungen gewachsen. Ich habe Verständigung mit Händen und Füßen und technischen Hilfsmitteln gelernt.
  2. Dass Not anders wirkt, wenn sie ein Gesicht kriegt, dass Hilferufe eher gehört werden, wenn sie uns aus der Nähe erreichen, dass einzelne Not nicht so mobilisiert wie die große Zahl, das weiß ich aus der Obdachlosenhilfe in Hamburg, die durch Hinz & Kunzt verändert wurde. Und aus dem großen Tsunami mit vielen betroffenen deutschen Weihnachtsurlaubern. Aber diese Beispiele waren winzig, verglichen mit dem Zuzug der Flüchtlinge. Es ist nicht mehr die Not einer begrenzten Gruppe oder fern ab, sondern vielfältig und massiv. Ein riesiges Thema Nr. 1.
  3. Ein „Wir schaffen das“ öffnet zwar die Tür, welche das verquere Dublin-Abkommen geschlossen hatte, aber macht keine jahrzehntelange praktische Abschottung wett. Kein Wunder, dass bei der Aufnahme der Flüchtlinge Chaos herrscht. Zum Beispiel las ich heute, dass mit einem Flüchtlingsausweis die Doppelerfassung von Daten beendet werden soll. Oder gestern, dass die Flüchtlinge in Sachsen eine Infobroschüre in ihrer Sprache bekommen sollen. Das hätte ich nicht für etwas Neues gehalten, aber es ist so, das habe ich in diesem Jahr gelernt. Und wer weiß, was aus diesen Ankündigungen wird. „Change by design or by desaster?“
  4. Probleme schaffen Verdruss bei denen, die sie erleiden. Aber auch bei denen, die im wesentlichen zugucken, wie „die Verantwortlichen“ in der Krise stolpern. Ich habe gelernt, wie diese Mischung von Fremdheitsgefühlen, Unwissen, Verunsicherung und mangelnder Nächstenliebe zu Wut und Hass führen. Leider bietet meine neue Heimat dafür einen besonderen Nährboden. Einen Beitrag dazu habe ich hier geschrieben. Es ist bitter, die Umrisse der alten DDR in Karten der rechten Facebookseiten und gewalttätigen Übergriffe wieder zu erkennen.
  5. Nach dieser kritischen Aufzählung folgt in Kommentaren dann gern das Lob der ehrenamtlichen Hilfe. Auch das ist hier nicht so massiv sichtbar wie zum Beispiel in Hamburg.  Aber es strahlt um so heller. Viele junge Leute wollen helfen, starten Projekte, organisieren sich selbst. Ich habe neue Leute kennengelernt. Und in unserem eigenen Projekt viel gelernt. Die „Brückenbauer Chemnitz e. V.“ habe ich erst nur unterstützt, dann wurde es mehr. Diese Website ist unser Tool für Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung. Hier bin ich ehrenamtlich aktiv. Den Heiligabend verbrachte ich mit Flüchtlingen in der Brücke.
  6. Beiträge mit solchen abgezählten Punkten hatte ich bisher nur leichte Lektüre gehalten, auf Klicks aus. Doch ich habe gelernt, dass Medien wie die HuffingtonPost, Bands und Prominente früher oder später sich lösungsorientiert in die Debatte einmischten. Auch die Freie Presse in Chemnitz mischt tapfer mit. Die Spaltung Deutschlands fordert heraus, Stellung zu beziehen. Es gibt keine einfachen Antworten, nur die eine Wahrheit, dass wir gemeinsam auf dieser Erde leben müssen. – Und ich glaube, dass Gott es uns ermöglicht, dass wir es schaffen, weil er uns allen die Erde gegeben hat.

 

 

 

Dialog ist, wenn … (2)

Als ich über das Dialogforum in Chemnitz geschrieben habe, war das meine These: Dialog ist, wenn das Reden Selbstzweck ist. Und nichts daraus folgt, keine Taten.

Leider bestätigt sich das, und zwar noch schlimmer, als ich es mir hätte vorstellen können.

#Freital zeigte das, und #ZeltstaDD war die nächste Stufe: Die Landesregierung schafft noch nicht einmal die einfachste Kommunikation zur Unterbringung von Asylsuchenden, nicht einmal gegenüber dem eigenen Asyllenkungsausschuss! Dazu hat Uwe Kuhr hier eine lesenswerten Artikel „Landesregierung lernt nicht aus Fehlern“ geschrieben.

So etwas muss doch Konsequenzen haben?

Schocken, smac und die Lehren für die Werbung

Als das neue Staatliche Museum für Archäologie in Chemnitz eröffnet wurde, hatte es einen doppelten Vorteil, viele Besucher anzuziehen: Nicht nur die Ur-Geschichte Sachsens auf dem neusten Stand der Museumstechnik darzustellen, sondern das auch in einem besonderen Gebäude. Neben dem Kulturkaufhaus Tietz hat der Schocken in Chemnitz eine Tradition als historisches Warenhaus, und darüber hinaus als Gebäude der Moderne. Der Entwurf des Architekten Mendelssohn wurde durch die Nutzung erhalten und wunderbar wieder hergestellt. Eine geniale Idee, die runde Fensterfassade in den Stockwerken der Geschichte des Gebäudes, seiner Besitzer und Gestalter zu widmen.

Doch als es eröffnet war, traute ich meinen Augen nicht: der Name Schocken verschwand in der offiziellen Kommunikation hinter der Abkürzung „smac“. Ja, für einen Schokoriegel oder für irgendein EU-Programm im berüchtigten Eurospeech wäre das ein pfiffiger Name. Aber doch nicht für den Schocken!

Schocken NameIch habe am Anfang ein paar Mal dagegen an getwittert und freue mich ansonsten an den alten metallgearbeiteten Inschriften „Schocken“,  die aus Denkmalschutzgründen über allen Türen sichtbar bleiben.

Doch heute bei diesem Zeitungsartikel tut es richtig weh: Da klagt das Museum über mangelnde Werbung und möchte seinen Namen an die Fassade schreiben, um „um potenzielle Besucher in ihren Erwartungen abzuholen“.

Man hat also gemerkt, dass etwas versäumt wurde: dies große Gebäude Schocken selbst als Werbeträger nutzen und so dicht mit dem neuen Inhalt zu verbinden wie es das früher als Einkaufstempel war. „Der Schocken ist das Archäologiemuseum in Chemnitz“. Das wäre die kommunikative Botschaft gewesen.

Jetzt ist der Fehler passiert. Und der Denkmalschutz steht auf der Bremse und will keine neuen Schilder genehmigen.

Das ist ein eklatantes Beispiel zum Lernen für die Zukunft. Der Inhalt, der da ist, in einem Gebäude materialisiert, in den Köpfen lebendig, der lässt sich nutzen, aber nicht ignorieren.

Was tun?

– es so lassen wie es ist. Die Schrift auf den Schaufenstern ist ja klar.

– besser: „Schocken“ wieder in die Kommunikation integrieren. Warum nicht „Schocken Museum für Archäologie Chemnitz – smac“?

– Kämpfen, Denkmalschutz gegen Museum, Gewinner / Verlierer und Schuldzuweisungen produzieren. Das wäre die schlechteste Lösung. Ich hoffe auf Besseres.

Übrigens habe ich gerade die berühmte Holzbank ausprobiert. Feucht war sie, der Gewitterregen der Nacht hatte sich in den Längsrissen im Holz gesammelt. Mal ein paar Samen reinstecken? 😉

 

 

 

 

 

 

 

Wollen Sie eine Revolution ohne Lachen machen?

Danke, Agentur Punkt191, für diese Aktion. Und besonders für das Beuys-Zitat s.o.

Da gibt’s eine ordentliche Summe Geld, da gibt’s eine prominente Fläche, da gibt’s etwas zu gestalten, und was macht die Stadt? 60.000 Euro für diese Stämme nach Berlin vergeben. (Ich habe wirklich nichts gegen solche Kunst, aber irgend eine Hilfe zum Verständnis hätte man den Chemnitzerinnen und Chemnitzer schon geben müssen. Vor den Kunstsammlungen steht auch eine besondere Bank, aber darauf kann man sitzen, darüber regt sich niemand auf.)

Ich würde die Reichweite von einem Stern-TV-Beitrag nicht so hoch ansiedeln, aber klar, dass das nicht unkommentiert bleibt. Und bei denen, die nicht lachen, eher die Politikverdrossenheit fördert als die Revolution.

Es zeigt mir, wie wichtig die Arbeit unseres Branchenverbandes Kreatives Chemnitz ist: Welche Standards gibt es für solche Aufträge im öffentlichen Raum? Die Kommunikation muss mitbedacht werden.

Dialog ist, wenn … (1)

Gestern habe ich am Dialogforum teilgenommen, welches das Land Sachsen das erste Mal in Chemnitz stattfinden ließ.

Ich habe mich angemeldet, trotz meiner Skepsis gegenüber diesen Veranstaltungen. Aber wenn ich sowieso zwangsläufig als Mensch in meiner neuen Heimat, als Christin und Grüne mit dem Thema Asyl und Pegida zu tun habe, dann gehe ich hin. Als Journalistin war ich natürlich neugierig, das selbst zu erleben. (Die normalen Medienvertreter durften bei den Gesprächen an den Tischen nicht lauschen, da war ich im Vorteil.)

Meine Hauptkritik, die sich bestätigte: Wenn die Leute als ‚Pegida‘ auf die Straße gehen, dann wollen einige ihre Anliegen vorbringen und Gehör finden. Vielleicht gehörten die Leute am ersten Tisch dazu: ein Pro-Chemnitz-Vertreter und zwei andere aus dem Pegida-Lager, die zufällig per Los zusammen an dem Tisch gelandet waren. Ansprechpartner war der AfD-Fraktionsvorsitzender Wurlitzer aus dem Landtag. Der war von jemand anderem zwei Stunden zuvor gebeten worden, den Platz zu übernehmen. Er sagte fast gar nichts. Die anderen hatten ihre Sammlungen mit kriminellen Taten von Asylbewerbern dabei und propagierten Abschiebung als Lösung. Wir sollten laut Anordnung der Veranstalter auf großen Papieren notieren, was uns gemeinsam bewegt. Ich versuchte es: Dass die Erde uns allen gemeinsam gegeben ist? Das war der Mehrheit am Tisch fremd. Eine Frau vom Flüchtlingsrat und ich haben uns bemüht, Informationen zum Thema einzuschleusen. Zum Beispiel, dass auch die Flüchtlinge und andere Ausländer ein Sicherheitsproblem haben mit Übergriffen – von denen die anderen noch nie etwas gehört hatten.

Angeblich hatten sie ihre Klagen schon anderer Stelle vorgebracht ohne Effekt. Überhaupt würde immer alles verheimlicht. „Aber ich habe einen Freund bei der Polizei, der Feuerwehr, der Ausländerbehörde, mein Schwiegervater war der Herausgeber der Zeitung …“ hieß es dann als Quelle der Behauptungen. Merke: In einer Demokratie lassen sich Probleme nicht totschweigen, auch in Sachsen nicht. Sie müssen transparent angegangen werden.

1. Die Leute müssen mit ihren Problemen Gehör finden. Dazu brauchen Verwaltungsleute Mediatoren, Helfer, die sich bei Bedarf dazuziehen können.

2. Wenn Entscheidungen auch gegen den Bürgerwillen getroffen werden, muss um so sorgfältiger kommuniziert werden, die Befürworter müssen gesammelt werden.

Krasses Beispiel am zweiten Tisch: Eine Frauenärztin hört an ihrem Ort von den Gerüchten eines Asylheims mit 150 Plätzen, von den Ängsten und sich entwickelnden rechten Einstellungen. Sie schreiben zu viert an den Landrat, bitten um Informationen, schlagen Alternativen zur zentralen Unterbringung vor. Und die Antwort: Keine.

Diese Frau ging nun nicht wie die Leute aus Perba zur Pegida. Sie meldete sich zum Dialogforum an und wie der Zufall es wollte: Sie saß Ministerpräsident Tillich gegenüber.

OK, wenn man zufällig eine Stunde mit Tillich reden kann, das Problem dieses Landkreises vorbringen, dann hat sich die Einladung gelohnt. Jetzt hoffen wir alle, dass die Inititative dieser Ärztin und der anderen aus ihrem Umfeld Erfolg hat. Ich habe unter anderem auf mehr Transparenz für die Bürger, etwa durch Tage der Offenen Tür, in der Erstaufnahme Ebersdorf gedrängt. Konkrete Zusagen gab es allerdings nicht.

Aber ob so ein Gespräch möglich ist, darf doch nicht dem Zufall überlassen bleiben! Sachsen hat nicht gelernt, die Bürger zur Lösung der Probleme einzubeziehen. Das rächt sich jetzt. Und da ist so ein Dialogforum eine teure Alibiveranstaltung.

Es wäre schon anders, wenn für das Dialogforum  wenigstens im Vorfeld die Themen gesammelt und Experten zugeordnet worden wären. Das zweite Thema Demokratie führte übrigens dazu, dass Bürger ihre Anliegen wegen Wassergebühren, Biokläranlagen, medizinischen Behandlungsfehlern … vorbrachten. Die CDU-Landtagsabgeordnete am Tisch habe daraus eine Bürgersprechstunde gemacht, wurde mir erzählt, aber für die anderen war es unergiebig.

Der letzte Teil in Form einer Fish-Bowl-Diskussion konnte nicht funktionieren, weil die „Fische“ am Rande eines großen akustisch lauten Saals auf einem Podium standen. Vorher überlegt? Auch Tillich hat lieber weiter geplaudert als zuzuhören.

Ich habe gelernt: Was ist ein Gespräch? Was man an den Ergebnissen misst. Was ist ein Dialog? Wo das Reden Selbstzweck ist. Und ein Dialogforum? Wo viele wichtige und dafür bezahlte Leute dabei sind. Und die unbezahlten Bürger sich fragen, was es ihnen gebracht hat.

Fazit: Mit einem soliden Kommunikationskonzept ließe sich die Herausforderung bewältigen, den Flüchtlingen zu helfen. Und Sachsen ein Stück vitaler, bunter und zukunftsfähiger zu gestalten. Dies #dialogmiteinder ist dazu der nullte Schritt. Vielleicht folgt ein erster.

 

 

#Pflegetag

Heute mal ganz kurz, in 140 Zeichen +. Ich arbeite mich langsam zu meinem Lieblingsthema vor, jedoch lege ich die meisten Kongresseinladungen noch sorgsam ab. Der 7. Mai in Leipzig und der 11. Deutsche Seniorentag in Frankfurt sind ziemlich fest im Kalender, den 2. Pflegetag bekam ich nur über Twitter mit.

Aber was heißt nur. Immerhin und das massiv. Ohne dass ich schon eine Strategie umsetze, haben sich so viele Twitterer aus der Pflege in meiner TL gesammelt, dass ich das Ereignis nicht übersehen konnte.

Und jetzt erlebe ich einen Pflege-Kongress, den ich so über Twitter verfolgen kann wie … zum Beispiel Grünen-Parteitage. Gestern trendete #Pflegetag sogar! Es gibt ja das Wort fremdschämen, ich fühlte Fremdstolz.

So möge es weitergehen, um die Poltik und die Medien zu erreichen, ist Twitter ja ein sehr gutes Medium. @Jensspahn zum Beispiel hat von mir schon in der letzten Legislatur entsprechende Tweets bekommen.

Pflegetag

 

 

Zu Weihnachten und zum Jahreswechsel

Gerade hörte ich die Zahl, auf die ich schon gewartet hatte: + 18 % im Onlinehandel im Weihnachtsgeschäft. Und in welchem Zusammenhang? Klar, bei einem der zahllosen Berichte über den Streik bei Amazon. Das sind Ereignisse, die in das übliche Berichtsschema passen.

Der große Trend, welche Arbeitsplätze es überhaupt noch geben wird, ist noch nicht auf der Agenda angekommen. Die Städte bildeteten sich in der Geschichte um einen Marktplatz herum. Werden sich künftige Generationen um Amazon-Versand-Center herum ansiedeln?

Weihnachtsmarkt-Faltblatt

Aus dem Weihnachtsmarkt-Faltblatt

Nein, das war nur ein Scherz, dazu habe ich hier schon mehr und fundierter geschrieben. Zu Weihnachten wird das nur besonders aktuell. Als ich gestern abend bei einem kleinen Chemnitzer Bloggertreffen #mytässchen auf unserem wunderschönen Weihnachtsmarkt war, fiel mir wieder auf, wie die Buden, wo es nichts zu essen und zu trinken gibt, wie die Dekoration des Festes wirkten.

Das ist nur eine von vielen Veränderungen, die mit Kommunikation zu tun haben – man versucht ja, über Werbung und „Erlebniswelten“ die Käufer in den stationären Handel zu locken – und doch mehr Wurzeln und Auswirkungen haben.

Wie gut, dass ich in diesem Bereich arbeiten darf. Jetzt feiern wir Weihnachten, was im Kern ein von Gott geschenktes Fest ist und in allen Veränderungen immer Freude bieten wird. Das wünsche ich allen!

Und im neuen Jahr 2015 verfolgen wir die weltweiten Umwälzungen und ihre Auswirkungen  bis nach Chemnitz und überallhin. Dafür hoffe ich auf Offenheit, etwas zu erkennen und die Bereitschaft, es zu tun.

 

 

 

Erste Bloggerin im Pflegeheim

Ej, da gibt es wirklich eine Bloggerin aus einem Pflegeheim, lese ich. Ich behaupte mal, die erste. Als wir damals 2009 bei evangelisch.de mit dem Thema „Wenn die Eltern älter werden“ begonnen haben, hatten wir auch einen bloggenden Pflegeschüler gefunden, der regelmäßig Beiträge verfasst hat. Aber einen Blog einer Bewohnerin gab und gibt es noch nicht. Ich habe oft gesucht und gerade bei Google noch einmal geschaut, sie steht schon auf der zweiten Seite.

Allerdings ist sie noch keine 50 Jahr alt und wegen ihrer MS und letztlich wegen ungenügender angemessener Versorgungsstrukturen im Pflegeheim. Warum gibt es keine WG-Struktur für Leute ihres Alters?

Am 7. Mai 2013 begann sie:  Bevor ich anfange, Geschichten aus dem Altenheim zu erzählen, will ich mich kurz vorstellen:

Seit 1994 bin ich, im Alter von damals 27 Jahren, an Multipler Sklerose erkrankt. Die offizielle Diagnose erhielt ich ein Dreivierteljahr später. Seitdem habe ich unzählige Schübe gehabt, die sich jedoch anfangs immer komplett zurück bildeten. Seit 2002 bin ich Berufsunfähigkeitsrentnerin, erst befristet, jetzt unbefristet. Stück für Stück löste sich meine damalige Wirklichkeit auf. Aufgabe des Berufs, Aufgabe des geliebten Sports – Karate – ,  Aufgabe des einen Musikinstruments – Waldhorn – , Aufgabe verschiedener Posten bei der DMSG-Krefeld, Aufgabe der eigenen Wohnung, Aufgabe des eigenen Autos und des selbst Auto-Fahrens, Aufgabe des zweiten Musikinstruments – Querflöte – , …

Doch nun ist es Zeit, dem Wort “Aufgabe” eine andere Bedeutug zuzumessen:

Ich suchte eine neue, kreative Aufgabe, die mir jetzt noch möglich war. Die starte ich jetzt hier mit diesem Blog!

– Und die Aufgabe löst sie mit Bravour. Erst mal Hochachtung, dass sie überhaupt auf diese Weise das beste aus ihrem Aufenthalt macht. Und nicht nur im Bloggen, nein, sie bringt sich mit ihrer Persönlichkeit und ihren geistigen Fähigkeiten auch sonst intensiv in das Heim ein. Sie beobachtet und beschreibt das Heimleben liebevoll-kritisch. Ich werde den Blog „Meine Erlebnisse im Altenheim“ intensiv verfolgen.